Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
148
JPEG-Download
 

148 !• DaB Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

besonderen Ausstattung einzelner dieser Beamteten war schon vorweg bei-läufig die Rede (S. 144 ff.). Mit Bezug darauf sei hier noch bemerkt, dassdiese bei feierlichen Vorkommnissen in der That in den Gewändern, dieihnen geliefert wurden, erschienen. So unter anderem sah man sie beider Bestattung Karl’s VII., um 1461, worüber ein ausführlicher Berichtvorliegt, 1 vorwiegend in Ekarlat gekleidet, den Ober-Präsidentennoch insbesondere mit einem so gefärbten Mantel, der bis zur Erde her-abreichte, eine Färbung, durch welche sich bei dieser Gelegenheit auchdie Gewänder der Präsidenten nebst den Eäthen des sogenanntenGeheimen Hofs und auch, wenigstens demähnlich, der Advokatenauszeichneten.

Die ekarlatfarbnen Gewänder indess bildeten während dieses Zeit-raums mindestens für einen Theil auch der höhergestellten Beamtetennicht mehr durchgängig die eigentliche amtliche Bezeichnung, sondern imGrunde genommen nur noch eine Ceremonial-Kleidung, lediglich dazubestimmt, um von ihnen bei ausnehmenden Feierlichkeiten getragenzu werden. Dasselbe gilt denn auch für die Tracht der Advokatenund Procuratoren, davon die ersteren bereits bis gegen die Mitte die-ses Jahrhunderts eine dunkelviolette oder schwarze lange Robe nebsteinem schwarzen Ueberziehröckchen und, schon um 1436, statt des bisdahin gebräuchlichen mit Pelz gefütterten „chaperon “, eine viereckigeMütze annahmen. 2 So auch trugen die Procuratoren nunmehr einenlangen schwarzen Rock, doch ohne mantelartigen Ueberwurf, nebst ein-facher Kappe ohne Pelzbesatz. Und ebenso waren auch selbst bei derBestattungsfeier Karl’s VI. sogar schon die Räthe der Rechenkam-mer und deren Unterbeamtete ohne Ausnahme in Schwarz gekleidet,dagegen die hierbei gleichfalls betheiligten geheimen Schöffen vonParis in halbtheiliger Gewandung, dem sogenannten „mi-parti,“ und•deren Gerichtsdiener noch besonders jeder mit dem städtischen Wap-pen auf der Brust ausgestattet erschienen. — Als um 1431 Heinrich VI. von England seinen Einzug in Paris hielt, bestand die Tracht des „Pre-vot“ daselbst, welcher den Zug eröffnete, in einem Kleide von hoch-rother Seide und in einem blauen „chaperon.“' Die vornehmen Bürgerdes Gefolges, die Wechsler, Kaufleute u. s. w., als auch die „Maitresdes requetes,“ die Räthe der Rechenkammer u. A. waren durchgängigin Roth gekleidet; der Prevöt der Kaufleute aber vorzugsweise inRoth und Blau. — Ein hauptsächliches Abzeichen für die höheren Ver-waltungsbeamten bildete eine eigene Art rundlich ausladender Mütze von

1 Chronique de Mathieu de Coussy bei J. A. Buchon. Collection des chro-mques nationales francaises ecrits en langue vulgaire du 13—16. si&cle. Paris 1824. Tom. XI. p. 368 ff.

2 Yergl. im Allgemeinen die bereits oben, Fig. 74, beigebrachte Darstellung.