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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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149
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Abzeichen d. versch. Stände. 149

Sammt, gemeiniglich „Mortier“ genannt, zugleich unterschieden von jenenviereckigen stets nur von Tuch gefertigten Mützen, deren sich die Advo-katen bedienten, für welche Mützen unter Karl VIII . (1483 —1498)eben in Folge ihrer Form die Benennung „bonnets carres“ aufkam(Fig. 74 a, b, c.)

Mit den noch sonstigen, nichtamtlichen Klassen der städtischenBevölkerung verhielt es sich hinsichtlich der Bezeichnung im Allgemeinennoch wie seither. Bei diesen wurde sie auch noch ferner tlieils durchderen Beschäftigung bestimmt, theils aber auch in der von ihnen bereitsangenommenen Form überlieferungsweise beibehalten. Dies letztere warhauptsächlich der Fall bei den Handwerksgenossenschaften, denzahlreichen Zünften und Innungen, von denen jede schon seit lange ihrebesonderen Insignien und zum Theil auch ilire eigens gemeiniglich durchdie Art der Färbung unterschiedliche Tracht besass, dadurch sie sich, wienamentlich bei festlichen Aufzügen u. dg]., von einander kennzeichneten. 1Im gewöhnlichen Verkehr allerdings fanden diese Abzeichen nun wohlkeine durchgängige Anwendung. Dagegen aber waren es denn eben dieverschiedenen Weisen der Bethätigung, welche auch dem alltäglichenErscheinen der Gewerbtreibenden an sich je ein eigenes Gepräge verliehn.So unter anderem zeichneten sich, ja ziemlich ähnlich wie noch heute,die Schmiede und andere Feuerarbeiter durch hochaufgestreifte Hemd-ermel und vor allem durch ein langes und breites ledernes Schurzfell aus,die Köche durch vollständig weisse Bekleidung nebst weisser Schürzeund Gürtelmesser, die Amuletkrämer u. s. w. durch eine möglichstauffällige Tracht, 2 während es, abgesehen von noch anderen hier zu er-wähnenden Beispielen, einzelnen dieser Gewerbstreibenden, so den W ein-händlern von Paris , ausnahmsweise verstattet war, öffentlich Dolchund Schwert zu tragen.

Gleich früher so blieben auch noch ferner vor allem die öffent-lichen Frauen, die sogenannten „femmes folles de leur corp“ oder

1 Vergl. darüber insbes. P. Lacroix et F. SerA Le livre d’or des metiers.Paris 1849 ff. — F. de Vigne. Recherehes historiques Bur les costumes civilset militaires des gildes et des corporations des metiers, leurs drapeaux, leursarmes, leurs blasons etc. Avee une introduction historique par J. Stecher. Gand 1847. (Mit 35 Taf.) — Derselbe: Moeurs et usages des corporations de metiersde la Belgique et du Kord de la France, pour faire suite aux recherches histo-riques sur les costumes etc. Gand 1849. (Mit 34 Taf.) — M. Qnin-LacroixHistoire des anciennes corporations d’arts et metiers de la capitale de la Nor-mandie. Paris 1850.

2 Sie und ebenso auch die Sterndeuter, Wahrsager u. g. w . fi nden sich ingleichzeitigen Miniaturen gewöhnlich in einer übereinstimmenden Tracht darzestellt bestehend in langen rothen Beinkleidern, rothen Schuhen, einem schwarzenmit blauen Bändern versehenen üeberkleide und einem Spitzhute.