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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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160 !• Das Kostüm vom Beginn des 14 . bis zum Beginn des 16 . Jahrh.

besondere durch Erweiterung oder Vermehrung von Unterplatten nochmehr zu verstärken. Nunmehr erst kamen daneben auch die schon umdeÄ Schluss des dreizehnten Jahrhunderts erfundenen festen Panzer-jacken (S. 20) mit inwändiger metallner Schuppung („korazin, ja-zerin, jesseraunt“) in weiterem Umfange in Aufnahme, doch vorerstnoch um nur unter dem Waffenhemde getragen zu werden. — DasWaffenhemd selbst, das seine Bedeutung zugleich als Prunkkleid fort-setzte, indem man es auch fernerhin zumeist mit den Wappen seinesEigners in kostbarster Weise ausstattete, wurde, gleich der Unterrüstung,so weit es den Oberkörper bedeckte bis zum Aeussersten hin verengert(Fig. 86 a. b). Im Verein damit -ward es Gebrauch dies Hemd auchhinterwärts derart zu kürzen, dass es sich, von den Hüften herab innur leichter Fältelung, etwa bis zur Mitte der Oberschenkel oder dochhöchstens bis zu den Knieen nun ringsherum durchaus gleichmässig er-streckte, und es vorn, bis zur Taille hinauf, zum Zuknöpfen einzurichten(Fig. 86 a. b. c; vergl. Fig. 84 b. c). Noch sonst aber pflegte man esauch wohl, wenngleich schon immer seltner, mit den zur Befestigung derSchwert- und Dolchketten beliebten Brustplättchen zu besetzen(Fig. 86 c) , und fortan es schon gelegentlich am unteren Saume mitkleinen Einschnitten oder Zaddeln zu verzieren. — Da es sich den Hüftenjetzt gänzlich faltenlos anschmiegte, hörte allmälig auch jede Art voneiner Umgürtung derselben auf. Der zugleich zum Tragen des Schwertsdienende „ritterliche“ Gürtel wurde nun, ganz in Uebereinstimmungmit dem bloss bürgerlichen Gurt (S. 69), zunehmend tiefer herabgerückt,ausserdem aber, bei im Uebrigen immer reicherer Durchbildung, in stei-gendem Grade breiter beliebt und diess dann mitunter gar bis zu demMaasse, dass er, in Rücksicht der ihn zumeist dicht bedeckenden metallnenBeschläge, in der That geeignet war, auch an sich noch als Schutz zudienen (Fig. 86 c; vergl. Fig. 86 a. b).

Den Hals-, Genick- und Wangen-Scliutz bildete noch fortgesetztder aus kleinen eisernen Ringen dicht „geflochtene“ Schulterkragen,doch mit der nun schon allmäligcn Wandlung, dass man ihn nicht mehrdurchgängig unmittelbar mit der „Haube“ verband, sondern mehrfachauch für sich beliess (Fig. 86 b; vergl. Fig. 86 a. c). Wesentliche Ver-anlassung dazu gab die eben um diese Zeit (etwa seit 1346) beginnendezweckmässigere Durchbildung des eigentlichen Kopfschutzes, der„Beckenhaube“ und des „Topfhelms “. Bisher war man bei den dafürseit lange hergebrachten Formen ohne einigen Wechsel verblieben; vonda an indessen veränderte man und zwar zuvörderst die „Beckenhaube“(„bassinet, bascinez“) dergestalt, dass sie, im Gegensatz zu früher, wosie bei nur massiger Höhe unterwärts kurz und rundlich abschnitt, inzugespitzter Erweiterung nach oben Nacken und Ohren mitbedeckte; noch