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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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164 I* Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirb.

seltner, was dann zugleich mit zur Folge hatte, dass man auf seine Aus-stattung nicht mehr die frühere Sorgfalt verwandte und ihn, anstatt wiebisher durchgängig mit reichem bildnerischen Schmuck u. dcrgl. zu bedecken,fast lediglich buntfarbig bemalte. — Die neue Schildform, die danebenaufkam (S. 161), trug wohl nicht minder dazu bei jenen älteren Schildzu verdrängen. Sie, unfehlbar nach dem Stoffe — dem Stierleder (ital.targa) — aus dem sie hauptsächlich hergestellt wurde, in Deutschland „Dartze (Tartsche)“ genannt, bestand aus einer verhältnissmässig nurkleinen, länglich viereckigen, unterhalb abgerundeten Platte mit einemAusschnitt für die Lanze. .Dazu bestimmt, so getragen zu werden, dasssie die rechte Brust- und Armseite eben nur oberhalb beschützte, warder Ausschnitt dementsprechend stets an ihrer äussersten (rechten) Kanteangebracht. Anfänglich pflegte man sie nur leichthin vermittelst eineskurzen Riemens um Hals und Schulter zu befestigen. Später indessen,nachdem sie auch schon hinsichtlich ihrer Gestalt u. s. w. manche Wand-lung erfahren hatte, vornämlich auch darin, dass man sie häufiger massignach Innen wölbte, schritt man dazu sie durch Hacken und Schraubenmit dem Brustharnisch zu verbinden. Im Uebrigen erging es dieserSchildform ganz ,ähnlich wie dem alten Topfhelm. Gleich diesem wurdeauch sie allmälig und sie, wie es scheint, etwa bald nach dem Schlussder ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts vom kriegerischen Gebraucheausgeschlossen und nur zur Turnierrüstung verwandt.

Indessen noch ehe solcher Wechsel mit dem Schilde statt hatte, schonbald nach Beginn des genannten Zeitraums, erfuhr die Schutzrüstungüberhaupt eine durchgreifende Veränderung. Fast sämmtlichc Einzeltheilederselben, die man aus Leder fertigte, wurden seitdem in nicht langerFrist durch metallene Platten ersetzt. Schon kaum nach Verlauf vonnur dreissig Jahren war man in dieser Art der Beschaffung selbst, bis zudem Grade vorgeschritten, dass die so nun gänzlich von Metallkünstlich geschmiedete „Plattenrüstung (Plattenharnisch: plate armour )“den Körper sogar noch fügsamer umschloss, als die zum Theil ledernenHarnische. Natürlich waren derartige Rüstungen, bei dem grossen Zeit-aufwande den ihre Herstellung erforderte, zunächst und so auch nochfernerhin ein äusserst kostbarer Gegenstand, mithin stets nur den Vor-nehmsten und Begüterten Vorbehalten. Die minder Begüterten, falls ihnennicht etwa im Kriege durch Erbeutung 1 oder durch sonstige Glücks-umstände eine solche Rüstung zufiel, blieben vorwiegend auf die frühereweniger kostbare Ausrüstung beschränkt. — Zugleich mit dem Aufkommenjener Rüstung bildete sich und zwar an ihr selber eine eigene Verzie-rungskunst aus. Was man bisher in diesem Punkte fast lediglich für

1 Vergl. oben S. 157. Amn. 1.