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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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165
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Bewaffnung (1350—1450). 165

die aus Leder gefertigten Stücke theils durch Beschläge, theils durchPressung u. dergl. nur spärlich in Anwendung gebracht hatte, suchteman nunmehr in zunehmend kunstvollerer Bethätigung auf das Metall zuübertragen. So aber war man zuvörderst besorgt insbesondere die Ränderder übereinander greifenden Schienen einerseits durch Gravirungen borten-artig, andrerseits (auch wohl in Verbindung damit) durch aus dem Ganzengeschlagene freistehende Zierrathen auszustatten, sie auch, wohl stellenweiszu vergolden. Nebendem begann man auch damit, die verschiedenenHaupttheile zu regelmässig geordneten leichten Streifen und Wölbungenoder „Kehlungen“ auszuschmieden, was ihnen somit noch überdies mehrWiderstandsfähigkeit verlieh. Dies Alles indessen, darin sodann ziemlichähnlich wie in der Kleidung, etwa seit der Mitte dieses Zeitraums, derHof von Burgund den Ton angab, erreichte doch auch erst haupt-sächlich von da an seine noch weitere eigentlich künstlerische Durch-bildung. Dagegen, was denn zugleich den Einfluss dieser ganz metallnenRüstung auf die Ausrüstung überhaupt wohl am entschiedensten bezeichnet,gab man bei deren Aufkommen sofort, ja gleich nach dem Schluss desvierzehnten Jahrhunderts, als kriegerischen Schmuck den Waffenrockauf, sich seiner fortan nur noch beim Turnier und bei festlichen Vor-kommnissen bedienend. So vor Allem in England. Ünd wenn gleich-wohl von Karl VI11. von Frankreich hervorgehoben wird, dass diesernoch in der Schlacht von Tornovo (1495) über seiner kostbaren Rüstungeinen prächtigen Waffenrock von blauer und violetter Faibe, leich besetztmit Goldstickerei und Goldschmiedearbeit getragen habe, kann dies, beidessen grosser Vorliebe für ausnehmenden Kleiderprunk, doch eben auchnur als Ausnahme gelten. —

Wie sich nun aber die Umgestaltung zu dem vollständigen Platten-harnisch in allen Einzeltheilen vollzog, lässt sieh kaum mit Sicherheitsagen. Ob dieser oder jener Theil zuerst und durchgängig davonberührt ward, oder — was wohl das Wahrscheinlichere ist — verschie-dentlich der eine und andere gleichzeitig davon betroffen wurde, muss imGrunde zweifelhaft bleiben. Rur so viel ergiebt sich als gewiss, dass,während die ältere Hamischtracht noch fast unverändert fortbestand, dieneuere aus dieser und neben ihr durch allmälige stückweise Verdrängungdes Leders durch Metall erfolgte, und dass sich dies etwa wehrend derDauer von dreissig oder vierzig Jahren unter mehrfachen Schwankungenauf fast sämmtliche Körpertheile, auf Arme, Armbiege, Brust und Rücken,auf Schenkel, Knie und Schienbeine, den Unterleib und den Hals erstreckte.

Als Bedeckung der Arme und Beine behielt man die einmal dafürübliche Form der Umschienung im Ganzen bei, nur dass man sie jetztnach Maassgabe des dazu verwandten Metalls zunehmend noch genauerpassend herstellte und, zu noch mehrerer Beweglichkeit, namentlich an