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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
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167
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Bewaffnung (1350—1450). 167

Metall geschmiedeten besonderen Platten (einer Brust- und Rückenplatte)aus. Man beschaffte sie dergestalt, dass sie seitwärts zusammenpasstenund hier entweder durch Charniere oder Hacken verbunden werden konnten.Zunächst begnügte man sich damit die Platten („cuirass“) nur einfachgewölbt, ziemlich formlos herzustellen (Fig. 88 a). Indessen schon nachnur kurzer Frist, bereits nach Yerlauf von etwa zehn Jahren (bis gegen1420) begann man und zwar zuerst die Brustplatte („plastron“) vorn,der Länge nach, zu einer Art von stumpfwinkliger Schneide („tapul“)und deren unteren Theil („clemiplaccate“) zu zwei oder mehreren schmalenQuerschienen zu gestalten; sodann auch das Rückenstück ganz demgemäss(Fig. 88 b).

Da man den Waffenrock aufgegeben, wurde die untere Schutzkleidungsichtbar. Das Kettenhemd, das man unter dem „cuirass“ und über (?)dem Wamms zu tragen pflegte, ward den Blicken blössgestellt. Ohnesich darauf zu beschränken erfand man sofort um den Beginn diesesZeitraums (bis 1410) als fernere Deckung des Unterleibs einen dasKettenhemd wiederum verdeckenden ringsumlaufenden Schurz (Fig. 88 a).Ganz der früheren Herstellungsart der Rüststücke überhaupt entsprechendward nun auch dieses neue Rüststück („braconniere“?) zuvörderst ausLeder mit nur theilweisem Schienenheschlag (Fig. 88 a) und hiernacherst ganz von Metall beschafft. Anfänglich vorwiegend nur aus mehrerenbreiten Streifen zusammengenäht, stellte man es dann, ziemlich dem ähn-lich, aus geschmiedeten Querschienen her. Zugleich in Folge dieser Um-wandlung versah man es noch überdies, zu weiterem Schutz auch derOberschenkel, mit zwei zum Anschnallen eingerichteten flachen Hänge-platten („cuilettes “; Fig. 88 b). — Mit der Anwendung dieses Schurzesrückte der ritterliche Gürtel wieder bis zu den Hüften hinauf(Fig. 88 a), sank jedoch alsbald abermals auf den Unterleib herab(Fig. 88 b), wonach er schliesslich,, etwa seit dem Jahre 1430, fast gänz-lich verschwand (Fig. 89 ff).

Zum Schutz des Kopfes bediente man sich auch noch fernerhinvorzugsweise der vorn offenen Beckenhaube. Doch fügte man dieser,•mit Beibehalt des damit verbundenen Ringelkragens, zur Wahrung desunteren Theils und des Halses, als Bedeckung dieses'Kragens, ein, wiees scheint, zunächst unbewegliches kinnkappenartiges Stück („mentonnierebarbier “ engl, „beaver“) hinzu. Auch dies gleich zu Anfang des Jahr-hunderts, indem man es muthmasslich ebenfalls zuvorderst, von hart-gesottenem Leder und dann erst von Metall fertigte (Fig 88 a • verelFig. 88 b ff).

Was die so nun gänzlich metallne Rüstung in noch weiterem Yer-lauf, bis gegen den Schluss des fünfzehnten Jahrhunderts, an Vervoll-kommnung noch erfuhr, betraf, abgesehen von Wandlungen der Form,