170 L Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
beweglichen Platte, und pflegte sie fortan vorzugsweise zu langen nachoben hin scharf spitzwinklich zulaufenden Stulpen zu erweitern. — DieHalbschienen des Oberschenkels („cuissarts“) erfuhren wesentlichnur noch darin eine Veränderung, dass man sie aus einzelnen einandergleich breiten vorn kantigen Schienen zusammensetzte (Fig. 89; Fig. 90 a).Sie wurden vermittelst Riemen befestigt und unterwärts von den Knie-kapseln („genoullieres, poleins“ u. a.), die auch zum Schnallen bestimmtwaren, zu noch weiterer Befestigung bedeckt. Die Durchbildung dieserKapseln geschah noch fortdauernd durchgängig in ziemlicher Ueber-einstimmung mit der Ausbildung der Ellenbogenkapseln, mit diesen sowohldie Vervollkommnung hinsichtlich grösserer Bcwegbarkeit durch vermehrteGliederung, als auch den Wechsel in der Form durch Zuspitzung u. s. w.theilend. Gleichwie diese Kapseln den unteren Rand der Oberschenkel-schienen bedeckten, so auch umfassten sie den Rand der Unterschenkel-schienen („greve“). Diese pflegte man, höchstens mit Ausnahme desobersten Theils der vorderen Schiene den man zuweilen kurz gliederte,je aus dem Ganzen herzustellen und zwar so dass die Hinterbeinschienendie Kniebeuge hinterwärts in leichtem halbbogenförmigem Ausschnitteund, in Verein mit der vorderen Schiene, die Knöchel nebst Fersenbeinumzogen. Diese Schienen schlossen sicli den Schuhe n („heuses, pedieux“)fest an, die man nun, ausgenommen die Sohle, gänzlich, so auch auf demSpann, theils aus versehliessbarem Kapselwcrk, theils aus Geschieben bil-dete (Fig. 89; Fig. 90 a; vcrgl. Fig. 88 a. b). Darüber wurden nachwie vor die noch immer zumeist beliebten langen Radsporen ziemlichhoch, über dem Hacken, angeschnallt.
Die Brust- und Rückenplattcn gewannen mehr und mehr eineden Formen des Körpers angemessene Gestalt, indem man sie auch ins-besondere so gegen die Hüften zu verengte, dass sie theilweis auf diesenruhten. Die Armüflhungen wurden erweitert, daher man denn eben dieAchselstücke dementsprechend vergrösserte (S. 169). Die Brustplattenamentlich pflegte man vorn nun nicht mehr allein durchgängig kantig,sondern gelegentlich auch flacher oder leicht „gekehlt“ auszuschmieden,auch unterhalb ungeschient zu belassen. Noch sonst aber fügte man zuihr, zur Rechten (oberwärts) einen starken charnierbeweglichen „Rüst-hacken“ (,,queue, faucre, lance-rest“) , dazu bestimmt, die schwereLanze beim Gebrauche zu unterstützen, und, etwa seit 1470, zu mehrerDeckung der Brustseite, eine der Tartschc ähnliche, doch schmalerePlatte („moton“) hinzu (Fig. 90 a). Sie indessen erhielt sich kaumlänger als etwa bis 1470. — Hinsichtlich des Schlussverbands beiderPlatten blieb man bei dem einmal als zweckmässig erkannten Verschlussdurch Doppelchamiere und durch Schnallengeriemsei stehen. Jene wurdengewöhnlich zur Rechten, diese zur Linken angebracht. Nur in sehr ver-