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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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171
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Bewaffnung (1450—1500). 171

Fig. 91.

einzelten Fällen verlegte man den Verschluss längs dem Rücken (Fig. 90b),was denn zugleich einen eigenen, wohl charnierbewegbaren Verband zuden Seiten voraussetzen lässt. — Der sich dem „cuirass“ anschliessendeSchurz ward nach wie vor aus Querschienen verfertigt, dabei jedoch innur kurzer Frist um ein Beträchtliches verkürzt. Dagegen pflegte mannun die mit ihm verbundenen Schenkelplatten und zwar fast in dem-selben Verliältniss, in welchem er an Umfang verlor, zu verlängern undzu verbreitern, ja diese auch wohl noch durch ihnen ähnliche kleinerePlatten zu vermehren (Fig. 89; Fig. 90 a; Fig. 88 b). — Auch für denHalsschutz, obgleich noch immer vorwiegend abhängig von dem Kopf-schutz, begann man allmälig an Stelle des dafür üblichen Ringelkragens,als Unterrüststück unter dem „cuirass“ ganze Platten („hausse-col“)anzuwenden (vcrgl. Fig. 89). Dennoch behielt man das Kettengeflechtals Unterrüstung fortdauernd bei. Indessen erfuhr jetzt auch dies allmäliginsofern eine Veränderung, als man sich seiner bei zunehmender Vervoll-kommnung der einzelnen Platten immer seltner in der Gestalt eines voll-ständigen Ermelliemdes, sondern vorwiegend nur nochin der Form von Krägen, Schürzen, Halber-meln und von bald breiteren bald schmälerenStücken („gimets“) zur Deckung der Oeffnungenzwischen den Schienen (der Achselhöhle, Armbeugeu. dergl.) bediente. Späterhin, während des letztenDritttheils des Jahrhunderts, ward es sogar, wennauch nur ziemlich vereinzelt gebräuchlich, solcheStücke selbst über die Platten, so namentlich inForm von Halbermeln und kurzen Kniehosen an-zulcgen (Fig. 91). Zudem erfand man um diese Zeitverschiedene besondere Platten, dazu bestimmt umüber die Platten, welche zumeist verletzbare Stellen,als Ellenbogen u. s. w. bedeckten, vermittelst Ge-riemsel befestigt zu werden (Fig. 91). Sie, wie über-haupt alle derartigen Ueberdeckschienchennannte man eben nach ihrem Zweck „tuilles“ und„tuillettes“.

Der Kopfschutz schliesslich wurde allmälignicht minder beträchtlich vervollkommnet. Nebenden üblichen Helmformen kamen, zum kriegeri-schen Gebrauch, seit der Mitte dieses Zeitraums zwei

Arten von leichteren Kappen auf, die völlig geschlossenwerden konnten. Die eine und zwar die zunächst erfundene, ihrer Gestaltnach „salade “ genannt, hervorgegangen aus dem „bassinet" 'und dem ihmerst jüngst hinzugefügten festen Kinn- und Wangenstück (Fig. 88 a.b),