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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
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174 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

nissmässig sehr leicht herzustellen, ja so leicht dass sie im Metall mit-unter nur dreissig bis vierzig Pfund wog. Erst nachdem bei zunehmenderAnwendung des Schiesspulvcrs, seit dem Schluss des fünfzehnten Jahr-hunderts, das sogenannte „kleinere Gewehr“ allgemeinere Verbreitung fand,suchte man dem und zwar nun in rasch steigendem Grade durch Ver-stärkung namentlich der Schutzbedeckung des Oberkörpers zu begegnen. —

Mit der kriegerischen Ausrüstung der ritterlichen Streitrosse („ de -striers, coursiers, chevaux-bardes) verhielt es sich im Grunde ganz ähn-lich wie mit der Schutzrüstung des Kitters selbst. Wie diese, so wurdeauch jene allmälig unter zunehmender Beseitigung der auch dafür alther-gebrachten Schutzdecken von Kettengeflecht und von Leder durch eineimmer vollständigere metallene Plattenbepanzerung verstärkt. Hier nun,wo der Leib und die Beine wenigstens mit nur höchst seltenen Aus-nahmen 1 davon unberührt blieben, erstreckte sich diese Verstärkung zu-vörderst auf den Kopf, den Hals und die Brust; sodann aber auch, imweiteren Verlauf, auf den Rücken und die Flanken, so dass sie dochmindestens noch vor Schluss der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhun-derts schon dergestalt ausgebildet war, dass sie das Ross fast gänzlichbedeckte. In derartiger Beschaffenheit bestand sie aus folgenden Einzel-theilen, die, je aus beweglichen Schienen gegliedert, untereinander ver-mittelst Schnallen, Hacken und Schrauben verbunden wurden:

Das Kopfstück („chanfrein“). Es war dies zumeist eine aus demGanzen geschmiedete, der Stirnseite genau angepasste Platte mit grossenAusschnitten für die Augen; diese zuweilen am Rande gewölbt und miteinem'oft ebenfalls erhobenen eisernen Gitter versehen.

Das Hals stück („cervical“). Dies bedeckte gewöhnlich, durch-gängig krebsartig gegliedert, den ganzen oberen Tlieil des Halses undward vermittelst eines metallenen Schiebestabs an das Kopfstück befestigt.

Das Bruststück („poitrail“). Seine Form entsprach im Ganzender Gestaltung des späteren ritterlichen Hüftscliurzes. Gleich diesem wares aus mehreren breiten Schienen zusammengesetzt und reichte bis aufdie oberen Schenkel. Es wurde mit dem Halsstücke durch cliarnierähn-liche Stifte verbunden.

Die Seitenstücke („bardes, flanfois“). Sie schlossen sich demBruststück an und erstreckten sich als breite oberwärts verbundene Plattenbis zum Ansatz der Hinterschenkel.

Das Hinterstück („croupiere “). Dieses war umfangreich, sehr breitund der freien Bewegung der Beine wegen, welche es hinterwärts umgab,

1 Eine das Ross mit Einschluss der Beine völligst bedeckende Plattenrüstungbefindet sich im „bürgerlichen Zeughaus“ zu Wien . Sie indessen stammt ausdem sechszehnten Jahrhundert und dürfte wohl überhaupt als einziges Beispielder Art zu betrachten sein.