Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
175
JPEG-Download
 

A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Angriffswaffen (1300—1500). 175

liier dementsprechend weit ausgewölbt und gelegentlich auch noch geglie-dert. Es ruhte damit es sich nicht verschob und nicht drückte aufeiner Art von gepolstertem Stangengerüste entweder von Fischbein odervon Holz. —

Die Sättel waren gross und stark, gewöhnlich vorn mit einer langenweit herabgehenden schildartigen Biegung, dazu bestimmt die Schenkelzu schützen, und oberhalb, zur Stütze des Rückens, mit zwei breitenArmen versehen, welche sich je bis zum Leib hin bogep. — Die Zäumebeliebte man sehr breit und möglichst reich mit Metall zu besetzen; diesletztere zugleich auch als Verstärkung, zu mehrerer Sicherung gegen denHieb. — Die Steigbügel pflegte man nach wie vor ziemlich hoch undweit zu verfertigen, nächstdem aber nunmehr die Sohle häufiger rostälm-lich zu durchbrechen. — Dazu kam im fünfzehnten Jahrhundert, nebender altüblichen Kandarre, als Neuerung die „Trense “ auf.

Auch der Gebrauch die Streitrosse (über der Rüstung) noch durchbesondere mehr oder minder reich geschmückte farbige Decken auszu-statten dauerte noch beständig fort. Zwar bediente man sich dieserDecken („palefrois“ und „ haquences “) fortan schon immer seltener imKriege, wo sie fast ziemlich gleichzeitig mit dem Waffenrock gänzlichverschwanden (S. 165), um so mehr aber behielt man sie für das Er-scheinen beim Turnier und bei sonst festlichen Vorkommnissen als einenausnehmend prächtigen Schmuck bei, sie als solchen nun auch immer nochreicher und prunkvoller durchbildend. So unter anderem als Ludwig XI. um 1461 seinen Einzug in Paris hielt, um sich daselbst krönen zu lassen,waren die Pferde sämmtlicher Ritter seines Gefolges mit Schabrackentheils von „ drap d’or“ und von „drap d’argent“, theils von karmoisin-rothem Sammet bedeckt, die bis zur Erde herabhingen und überdies miteiner Menge silberner Glöckchen ausgestattet. Ja der eitle La Bochehatte sich nicht einmal damit begnügt, sondern, um sich auszuzeichnen,seine Schabracke an allen Spitzen mit wirklichen Glocken von der Grösseeines Mannskopfes besetzen lassen, was, wie der Berichterstatter bemerkterschrecklichen Lärm verursachte.

Was die Angriffswaffen betrifft, so wurden diese ungeachtet derVervollkommnung der Schutzrüstung doch nur sehr langsam und auchim Ganzen verhältnissmässig nur wenig verändert, ja auch während deslangen Verlaufs bis zur Verbreitung des Feuergewehrs in nur ziemlichgeringem Umfange durch wirklich neue Rüststücke veVmehrt. Dies letz-tere geschah hauptsächlich erst in Folge der ganz metallnen Harnischedie ihrer Stärke nach allerdings nun eine auch dementsprechende Aus-bildung sowohl von besonderen Waffen, als auch der schon üblichen An-grifl'swaffen bedingtermassen forderte.

Unter den Hiebwaffen blieb das Schwert ritterliche Hauptwaffe.