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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
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176
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176 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

Die nächste Veränderung welche es, docli auch immer nur vereinzelterfuhr, vollzog sich nicht vor dem weiteren Verlauf der zweiten Hälftedes vierzehnten Jahrhunderts. Sie bestand vorniimlich darin dass manes theils verlängerte, theils, um ihm eben mehr Hiebkraft zu geben, vonseinen beiden Schneiden die eine zum breiten Kücken gestaltete. Nächst-dem ward es zu dieser Zeit üblich die Parirstange nicht mehr aus-schliesslich wagerecht, sondern auch, und nun zunehmend häufiger leichtnach abwärts gekrümmt zu tragen. Dazu kam, im fünfzehnten Jahrhun-dert, dass man den Griff zu besserer Handhabung nach oben, gegen denKnauf hin, mehr und mehr zusammenzog, auch ringsum dicht mit Drahtumsponn, und dem Knauf selber vorwiegend die Gestalt einer Kugelgab. Noch sonst aber wurde der Griff fortdauernd in seinen Theilen zu-meist verziert, dabei man sich späterhin vor Allem eine selbst künstlicheDurchbildung des Knopfes und der Parirstange, und dann auch wohl, inVerbindung damit, der GrifFstange angelegen sein liess, was man zuweilensogar insgesammt aus dem Ganzen zu mannigfach zierlichen Formenmeisselte, mit Gold- oder Silberfäden auslegte, vergoldete und mit Steinenbesetzte. — Die Scheide, auch fernerhin noch zumeist aus hartgesotte-nem Leder verfertigt, pflegte man folgends gemeiniglicher zu färben odermit Stoff zu verkleiden und durchgängiger, mitunter selbst vollständig,mit metallenen Zierbeschlägen zu bedecken {Fig. 84 a, Fig. 87 b; Fig.88 a). — Hinsichtlich der Art das Schwert zu tragen wechselte manzeitweise ab. Nächstdem dass man es, am Schwertgurt geschnallt, vor-zugsweise nach wie vor zur Linken fast senkrecht hängen liess, ward esdaneben, zuerst etwa gegen die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts unddann noch einmal während der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhun-derts (etwa seit 1470) je auf kürzere Zeit gebräuchlich es vorn vor derMitte des Leibs zu gürten (vergl. Fig. 86 a, Fig. 90 a). Dahingegenverliess man früh, bald nach dem Schluss des vierzehnten Jahrhun-derts, den Gebrauch es vermittelst einer Kette am Brustharnisch zubefestigen, dies sodann auch auf den Dolch ausdehnend.

Noch anderweitige Formen von Schwertern oder doch vonHieb- und Stichwaffen, deren man sich neben jenen zum Thcil als schonalthergebracht, zum Tlieil aber erst im späteren Verlauf, als Neuerungen,zu bedienen pflegte, betrachtete man im Grunde genommen niemals alseigentlich rittermässig. Zu diesen gehörten unter anderem der „estoc“,der „baselard“ und der „falchion“. Der „estoc“, in Frankreich bereitsseit Beginn des vierzehnten Jahrhunderts bekannt, vornämlich dazu bestimmtdie Fugen der Schienen zu durchbohren, daher auch „Panzerstecher“genannt, war lang, dünn, viersclmeidig und spitz; der „baselard“ wareine Art Zierdegen, welchen man überhaupt weniger zur Küstung, alsvielmehr zur alltäglichen Kleidung vorn mitten am Gürtel zu tragen