178 I- D as Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
Speers von etwa zehn bis sechszehn Fuss Länge mit eingezogencm Hand-griffe und einem unterhalb der Spitze befestigten Fähnchen („penon“) bei.Auch blieb es noch einstweilen Gebrauch dieses Fähnchen mit demWappen oder doch mit den Wappenfarben seines Eigners auszustattenund es, je nach dessen Rang, bald zu einem langgezogen scharfspitzwink-lichen Dreiecke, bald zu einem länglichen oder zum Theil abgestumpftenViereck {„banderolle“) zu gestalten. — Gleich wie beim Schwerte wares auch hier erst die allmälige Einführung des vollständigen Platten-harnisches, was eine Wandlung veranlasste. In Folge dessen schritt mandazu den Schaft beträchtlich zu verkürzen, auch im Ganzen noch zuverstärken, und die Vorplatte {„harre; vamplate“), welche die Handsicherte, zu besserer Abwehr etwaiger Stösse, von starkem Eisen leichtgewölbt trichterförmig herzustellen. Nächstdem ward es allmälig üblichdas Fähnchen auch dreifach geschlitzt zu tragen und es hiernach, zumUnterschiede von den anderweitigen Formen, als „gonfanon“ zu bezeichnen.— Trotz der ferneren Vervollkommnung der ganz metallenen Harnischeund ungeachtet der allmäligen Verbreitung der Handfeuergeschosse erhieltsich die Lanze als Kriegswaffe unausgesetzt bis weit über den Schlussdes fünfzehnten Jahrhunderts hinaus, ja ward inzwischen selbst wiederumauf ihr früheres Maass hin verlängert. Doch wurden dann während derzweiten Hälfte dieses Zeitraums daneben noch andere, zweckmässigeStangenwehren erfunden, welche indessen, als nichtrittermässig, fast ohneAusnahme den Fusstruppen und Söldnern Vorbehalten blieben (s. unt.). —Der Wurfspeer {„gavelock, javelin“ und, wenn wiederhackig, „pheon“)galt schon seit Beginn des vierzehnten Jahrhunderts kaum mehr als eigent-lich ritterlich und ward seitdem auch überhaupt nur noch vereinzeltangewandt.
Auch die ausser diesen Waffen schon seit Alters gelegentlich selbstauch von Rittern geführten Streitkolben, Streitäxte, Beile undStreithämmer erfuhren, wenigstens zum Theil, eine den Wandlungender Schutzrüstung entsprechende noch weitere Durchbildung. Zu denälteren zumeist nur einfach keulenförmigen Streitkolbcn {„baston, be-sague“) entweder von Holz und stellenweis mit Metall beschlagen oderaber ganz von Metall, und den hauptsächlich zum Turnier benutztenmehrkantigen schweren Schlägeln {„maces , masses, massues, massc d’armes“)kamen bereits im vierzehnten Jahrhundert noch einige besondere Kolbenauf, die wesentlich zur Zertrümmerung des Helms und der Platten bestimmtwaren. Die eine Art nannte man „massuelle“, die andere, doch vorwie-gend erst im fünfzehnten Jahrhundert gebräuchlich, ihrer eigenen Formwegen „quadrelle“. Beide, davon man die letztere am Sattel hängendzu tragen pflegte, hatten miteinander gemein dass sie gänzlich aus Metallund aus einem bald längeren, bald kürzeren gerundeten oder auch mehr-