A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. — Angriffswaffen (1300—1500). 179
kantigen Schaft nebst kugeligem Knauf bestanden. Nur darin unter-schieden sie sich, sieht man von der bloss schmückenden Ausstattung imEinzelnen ab, dass der Knauf bei der „massuelle“ fast ohne Ausnahmeganz und voll, bei der „quadrelle“ dahingegen gewöhnlich mehrflächig,in Gestalt eines Quirls gegliedert war. Im Uebrigen wurden beide Knäufeauf das Verschiedenste geformt, und während man den ersteren auf dasVielfältigste abkantete, auch wohl die dadurch entstehenden Flächen spitz-buckelig herausschmiedete, pflegte man die fächerartig, getheilten Flächendes letzteren je gleichmässig theils zu durchbrechen, theils an den Kantenauszuschneiden; dazu auch die Waffe an sich durch eingelegte und flaeh-erhobene Arbeit und durch Vergoldung zu schmücken, ihren Schaft aberinsbesondere mit Sammt u. dergl. zu überziehen. — Von den Streit-äxten und Schlachtbeilen {„haches d’armes“; engl. „battlc-axes“)bediente man sich nach wie vor der kurzstieligen cinklingigen Beileund der Doppelaxt {„bipennis“). Diese, ursprünglich aus zwei mit-einander rücklings verbundenen Beilklingen bestehend, wurde allmäligzu einer Axt mit einer Beilklinge und gegenseitiger halbmondförmigerSchneide umgestaltet. Noch später wechselte man auch dahin ab, dassman an Stelle dieser Schneide theils eine Art von breitem Hammer, theilseine Spitzhacke anbrachte, und dann auch noch darin, dass man dasEisen, welches diese Klingen verband, zu einer bald längeren, bald kür-zeren lancetlichen Spitze ausschmiedete. Solche mithin dreifache Wehrnannte man in England, wo sie im fünfzehnten Jahrhundert vorzugs-weise Verbreitung fand, im Allgemeinen kurzhin „pole-axe“. — DieStreithämmer („maillets, martcaux“) bewahrten im Ganzen die ihnengleich anfänglich eigene Gestalt eines handlichen Doppelhammers miteiner breiten und einer zumeist gebogenen spitzschnabelförmigen Klinge.Sie glichen somit im Grunde genommen jenen vorerwähnten Aexten, nurdass sie gemeinhin beträchtlich schlanker und minder lang als diese waren.
Gleichsam aus einer Vereinigung der Streitaxt oder des Streithammersmit der Lanze oder dem Speer ging gleichfalls schon im vierzehntenJahrhundert auch eine neue Waffe hervor, die aber erst dann, nachdemman sie noch zwecklicher ausgebildet hatte, während des fünfzehntenJahrhunderts, in England sogar erst seit Eduard\IV. (seit 1461), undauch vorwiegend nur bei den Fusstruppen allgemeinere Verbreitung fandEs war dies eine Stangenwehr von etwa fünf bis acht Fuss Länge zuHieb und Stoss gleichmässig geschickt, mit langer Spitze und doppelterKlinge, beides von mannigfach wechselnder Form. Je nach deren Durch-bildung nannte man sie „partizan (perluisane), halben [hellebard) alaiv'espetum, voulge“ u. a. Die Partizanen und Halberten bestandengemeinhin aus einer Art von breitausladender Axtklinge, deren Schneideentweder nach aussen oder nach einwärts, zuweilen selbst mond «ichel-