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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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182 I- Da 3 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

die nun dafür bestimmten kleinen Geschosse ganz die gleiche Unvoll-kommenheit übertrug. Diese Geschosse, die höchst wahrscheinlich vonItalien ausgingen, wo sie vermuthlich selbst noch vor dem Schluss desvierzehnten Jahrhunderts aufkamen, 1 fanden in Frankreich kaum vorAblauf der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts und in Englandeigentlich erst unter Eduard IV. (seit 1461) zunehmend allgemeinereVerbreitung. Völlig ähnlich den Kanonen bestanden sie zunächst ledig-lich aus einer bald längeren, bald kürzeren metallenen Röhre mit einerdaran aus dem Ganzen geschmiedeten Handhabe. Nicht lange jedoch soschritt man dazu sie auf einen wenn auch nur einfachen hölzernen Schaftzu befestigen. Die Röhre war mit einem Zündloch und, zum Aufschüttendes Pulvers, mit einer Art von Pfanne versehen. Zum Abfcucrn dienteeine Lunte. Sie wurde, während die linke Hand das Gewehr gegen dieSchulter stemmte, mit der rechten gegen die Pfanne geführt. In solcherhöchst rohen Beschaffenheit, die kaum einen sicheren Schuss zuliess, er-hielt sich die Waffe demungeachtet bis gegen den Schluss des fünfzehntenJahrhunderts. Indess noch während dieser Zeit erfand man, wohl sicherals Nachbildung des der Armbrust längst eigenen sogenannten Hemm-schnäppers, eine Art von Luntenschloss mit einem nach vorn gebogenenBügel, in den die Lunte eingeklemmt ward, der vermittelst eines Drucksauf den damit verbundenen Drücker auf die Pfanne niederfiel. — Je nachder Grösse dieser Geschosse, die oft ziemlich beträchtlich war, pflegteman sie bald kürzer und leichter, bald länger und schwerfälliger zuschäften. In Folge dessen ward es gebräuchlich besonders die ausneh-mend schweren durch einen Standstock zu unterstützen: eine Erfindungim fünfzehnten Jahrhundert, die ebenfalls von Italien ausging. DiesenStock, der oberhalb mit einem Doppelhacken versehen war, nannte manin England „linstock“ und, falls er nur eine einfache gabelförmige Auf-lage hatte, gemeinhin „hackbot“ oder „hackbut“. Das Gewehr selbsthiess, abgesehen von dem englischen „guns“ und „gönne“, anfänglichund auch fernerhin „arcubusus“ und „arquebuse“, was, abgeleitet undverderbt aus dem altitalienischen „arca-bouza“ (arrhibuso ), einen Bogen(oder gebogenen Schaft) mit darauf befestigter Röhre bezeichnet. — ZurAufbewahrung der glimmenden Lunte bediente man sich einer zinnernenBüchse (engl, „match-box“ und „touch-box“) ; zur Aufbewahrung undSicherung des Pulvers theils hölzerner, theils metallner Behälter in Formvon Täschchen und von Kapseln („ poulverain, powder-flask, patron“). —

1 So wird sogar schon vom Jahre 1334 erzählt, dass sich der Markgraf vonEste der „Knallröhren“ und „Schlüsselbüchsen“ bedient habe. Doch waren dieswohl nur derartig bezeichnete Kanonen- Dahingegen sollen in Perugia bereitsum 1364 fünfhundert „Handbüchsen“, eine Spanne lang, gefertigt worden seinu. a. m.