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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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183
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. — Heerwesen (1300—1500). ]83

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Den Kern der Heere bildete bis in’s fünfzehnte Jahrhundert hineinnoch vorzugsweise die Ritterschaft nebst den zu ihr gehörenden Dienst-mannen. Die Städter, zur Selbständigkeit erwachsen, sich vornämlich nurauf Vertheidigung ihrer eigenen Machtstellung beschränkend, Hessen sichin nur höchst seltenen Fällen zu einein Angriffskriege herbei, der ausserihrem Interesse lag; und den Bauernstand zu bewaffnen widerspracheinstweilen noch dem ritterlichen Geiste der Zeit. In Folge dieses Um-standes, dessen Mängel je fühlbarer wurden, je mehr die Feindseligkeitensich häuften und an Dauer Zunahmen, sah man sich bei den ja fastbeständigen verheerenden Kämpfen, wie solche gerade seit dem Beginndes vierzehnten Jahrhunderts wiederholentlich ausbrachen, mehr und mehrdazu gedrängt die eigentlich ritterliche Kriegsmacht, die lediglich ihrerLehnpflicht folgte, durch freiwillige Miethlinge zu ergänzen und zu ver-mehren. Hierdurch entstand, und zwar wie es scheint zuerst in Italien und dann in Deutschland , eine ganz neue Gattung von Kriegern, die dersogenannten '„Söldner“, welche, sich nunmehr rasch ausbreitend, in kurzerFrist zunehmend an Umfang und innerer Festigkeit gewann. Schon nachder Mitte des Jahrhunderts kam es, wenn auch erst vereinzelt vor, dassselbst grössere Lehnsleute statt ihrer eigenen Dienstmannschaft solcheMiethstruppen aufstellten.

So lange die Ritterschaft noch fast ausschliesslich den Ilaupttheil derKriegsheere ausmachte, bestanden diese, da jene durchaus an dem Dienstezu Pferde festhielt,'in bei weit überwiegender Masse aus schwergerüsteterReiterei. War ein Angriff zu Fuss nothwendig, so mussten die Ritterentweder zum Theil oder sämmtlich absitzen und auch solchen Kampfübernehmen, was jedoch bei der Schwerfälligkeit ihrer Rüstung stets mitden grössten Anstrengungen verbunden war. Noch ehe die siegreichen 'Kriege der Schweizer, wie insbesondere die Schlacht bei Sempach (1386),nur allzublutig gelehrt hatten wie unumgänglich nothwendig ein leichterbewegliches Fussvolk sei, war man schon, zuvörderst in England, zurBildung auch solcher Truppen geschritten, die man, vorerst noch nurdazu bestimmt die Reiterei zu unterstützen, mit Bögen und Arm-brüsten bewaffnete und durch halbgewölbte Stand Schilde („pavois,pavis“) zu schützen suchte. 1 Bereits in den beiden verheerenden Schlachtenvon Crecy (1346) und Poitiers (1356) zeichneten sich diese gleich der-gestalt aus, dass man vorzugsweise ihnen den Erfolg des Sieges zuschriebdabei allein in der Schlacht von Crecy das französische Heer nicht

1 Diese Schilde, deren man sich auch fernerhin zu bedienen nfWtedurchschnittlich fünf Fuss hoch und etwa zwei und einen halben Fuss breit viereckig, unten spitz zulaufend oder mit einem Stachel versehen von „A’ol

haut überzogen, mit Leinewand beklebt, grundirt und bemalt Sie „ mit . 8tl ®f‘Erde gestossen und bildeten so eine feste Schutzwehr. m d ' e