A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Amtsorn, d. Geistl. (1300—1500). 193
die Ausstattung namentlich der Randeinfassungen und des dreieckigenRückenschilds in steigendem Grade die grösste Sorgfalt (Fig. 94 c). Alsim fünfzehnten Jahrhundert die Reliefstickerei aufkam, ward sie sofortdafür benützt. Man stellte durch sie, zu eben dem Zweck, theils Brust-bilder, theils ganze Figuren von Heiligen u. s. w. her, welche man, zu-meist untereinander, den Besätzen einfügte, sie überdies durch Aufnähenvon kleinen emaillirten Goldplättchen, durch farbige Stickerei in Platt-stich, Gold- und Perlenstickerei reich verzierend. Daneben ward deruntere Saum gemeiniglich dicht mit Seidenfranzen oder, was’jedoch seltnergeschah, mit metallnen Glöckchen besetzt. — Das dreieckige Rücken-sehild verlor nach und nach dergestalt an Umfang, dass es schliesslich,gegen das Ende des Jahrhunderts, im Grunde genommen nur noch einerArt von Genickkragen glich. Dennoch bewahrte man auch diesem seineEigenschaft als Schmuck, dabei man es jetzt gelegentlich, zumal wennder Mantel ein Geschenk eines „Gebefreudigen“ war, mit dem bunt-gestickten Wappen des Geschenkgebers ausstattete. — Ingleichem stei-gerte sich der Aufwand hinsichtlich des Gesammtstoffes. Nicht nur dassman dazu stets häufiger die schwerste Seide und Sammet wählte, nun-mehr zumeist selbst durchweg reich gemustert, gelangte man gegen denSchluss dieses Zeitraums auch dahin die Mäntel, in Nachahmung dersonst allgemein herrschenden Mode, mit langen Schleppen zu versehen, jadiese mitunter so zu verlängern, dass sie beim Gehen aufgenommen odergar nachgetragen werden mussten. In Uebereinstimmung mit dem Allenschritt man in der Behandlung der Spange, die den Mantel auf der Brustverband, zu immer reicherer Durchbildung vor, indem man dann vor-zugsweise sie als ein Hauptgegenstand der Goldschmiedekunst sowohlin Rücksicht der Kostbarkeit als auch des künstlerischen Werths mög-lichst hervorzuheben suchte.
18. Der Chorrock ward vorwiegend in England seit dem Beginndes vierzehnten Jahrhunderts sehr faltenreich und mit äusserst langenund weiten Hängeermeln beliebt. Dies höchst wahrscheinlich mit inFolge einer besonderen Verordnung des Erzbischofs von Canterbury um1322, welche jedem Geistlichen dessen Gebrauch beim Altar vorschrieb.Erst gegen den Schluss des fünfzehnten Jahrhunderts begann man diesKleid wiederum bis zu den Schienbeinen hin zu kürzen; doch wurde esgleichzeitig damit wenn zunächst auch nur noch vereinzelt üblich eslängs den Oeffnungen der Ermel und an seinem unteren Saum mit durch-brochenem Spitzenwerk in Weisszeugstickerei zu schmücken.
19. Das Barett näherte sich mehr und mehr der ihm späterhineigenen Form einer vierkantig gesteiften Mütze. Noch bis zum Beginndes fünfzehnten Jahrhunderts bewahrte es im Wesentlichen seine frühereGestalt. Seitdem jedoch begann man es, unter allmäliger Erweiterung,