194 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
gleichsam hutartig zu erhöhen, und bald darauf, etwa um die Mitte desJahrhunderts, aus vier einander gleichen Stücken mit erhobenen Doppel-nähten zusammenzusetzen, was sodann, um den Schluss des Jahrhunderts,wiederum veranlasste das Ganze durch eine Unterlage von derbem Fut-terstoff zu verstärken.
Neben dem Barette, dessen Gebrauch seit dem Beginn des vier-zehnten Jahrhunderts namentlich in England jedem Geistlichen zu-stand, bediente man sich nach wie vor, insbesondere zur Winterszeit, dessogenannten „almutium,“ und zwar unausgesetzt in der Form einer denKopf umschliessenden Kappe mit davon hinterwärts herabhängendem ziem-lich langem Rückenkragen; gewöhnlich durchweg mit Pelzwerk gefüttert,der Kragen am unteren Saume befranzt.
20. Die Abzeichen des Kardinaliats — der rothe Hut und derrothe Leibrock — gelangten alsbald nach dem Beginn des vierzehntenJahrhunderts zu beständiger Geltung. Der Hut an sich wurde kaumverändert; dahingegen stattete man im Verlauf des fünfzehnten Jahrhun-derts jedes seiner Bindebänder gelegentlich an ihrem Ende mit drei langenseidenen Schnüren aus, welche drei in gleichen Abständen untereinandergeordnete Querschnüre dergestalt verbanden, dass das Ganze gewisser-massen ein sich nach unten hin erweiterndes dreieckiges Netzgeflechtbildete. 1 Dieser Behang, den man überdies da, wo die Schnüre einanderkreuzten, mit einer seidenen Quaste schmückte, reichte oft nahe bis zuden Knien. Derselbe erhielt sich, als Auszeichnung, bis zu Ende desJahrhunderts, um welche Zeit man ihn, von hier entfernend, zu beidenSeiten der Krempe anbrachte. — Der Rock („cappa magna“) bildeteunverändert ein dem vorn offnen Rückenmantel ähnliches Gewand, jedochmit weiter kragenartig tief herabfallender Kapuze. Gemeinhin von hoch-rother Seide gefertigt, pflegte man ihn nun zunehmend häufiger, nament-lich als Winterkleid, durchgängig mit Hermelin zu füttern, ihn in dieserEigenschaft auch wohl vorn bis auf einen Brustschlitz völlig geschlossenherzustellen. ImUebrigen aber versah man auch ihn, ähnlich den ander-weitigen Mänteln, schliesslich mit so langer Schleppe, dass sie beim Gehenhinderte und getragen werden musste.
In Betreff der einmal bestimmten Vertheilung der Ornatstückeauf die verschiedenen Würdenträger — den Papst, den Erzbischof undBischof, den Priester, den Diacon, Subdiacon und die untergeordnetenGrade — verblieb es auch fernerhin beim Alten (vergl. S. 29). Ebensoriicksiclitlich des Verhältnisses der Ausstattung dieser Ornatstücke, die,bei aller Steigerung im Ganzen, dennoch stets je nach Maassgabe der
1 Vergl. die Abbildung bei Ch. Louandre et Hangard -Mauge. Lesarts somptuaires. France XV siöcle (2 me moitiö).