Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
203
JPEG-Download
 

A. Tracht. Deutschi. u. Seandinav. Kleid, d. Männer (1350—1400). 203

sehen und Messern weder goldene und silberne Borten oder Bänder, nochGold, Silber, Perlen u. s. w. blicken lassen. Der Rock sei nicht kürzer,denn bis zu den Knien, er sei denn zum Kriegs- oder Reitrock bestimmt.Kein Mann soll Bart noch Scheitel tragen und sei der Zipfel seiner Gugelweder gewunden noch zerschnitten, noch länger denn höchstens andert-halb Ellen, und dje Gugel vor dem Gesicht in keiner Weise ausgezackt.Niemand soll an seinen Schuhen oder an seinen ledernen Hosen langespitzige Schnäbel haben, und kein Mann, der nicht Ritter jst, Schuhe füh-ren, die nur der Hoffart wegen zerhauen und zerschnitten sind.“

. Ganz demälmlich, wenn auch zum Theil nicht in dem gleichen Gradeausführlich, lauten die Bestimmungen jener noch sonstigen Verordnungen.Indessen so eifrig man auch darauf hielt, ihnen namentlich durch Fest-setzung von Geldstrafen für die Uebertretung festere Geltung zu ver-schaffen, blieben sie doch ebensowohl, wie die Aufwandgesetze inFrankreich , ja wie solche überhaupt, ohne einigen nachhaltigen Erfolg.Man hörte sie, kümmerte sich nicht darum, bezahlte gelegentlich seineStrafe und, falls dann wohl gar noch Sittenprediger darüber ihre Geisseierhoben, reizte nicht selten der Wiederspruchsgeist der einmal freigewor-denen Neigung nur noch um so ungebundener zu folgen.

Wie wenig man sich beschränken liess, ja vielmehr in immer rasche-rem Zuge dem Neuerungswechsel huldigte, findet, in Uebereinstimmungmit den gleichzeitigen Verbildlichungen, auch noch seine weitere Bestä-tigung wiederum bei jenem Limburger Chronist. Konnte doch dieserbereits zum Jahre 1362 eine abermalige Wandlung als besonders auffälligbezeichnen. „In diesen Tagen“ — so berichtet er — „vergingen diegrossen weiten Ploderhosen und Stiefeln; diese hatten oben roth Leder undwaren verhauen (aufgeschlitzt) und gingen die langen Ledersen an. Diewaren eng, mit langen Schnäbeln, hatten Krappen, einen bei dem anderen,von der grossen Zehe an bis oben aus, und hinten aufgenestelt bis halbauf den Rücken hin. Dahingegen vergingen nun die weiten und kurzenLedersen, die hatten oberhalb gut Leder und waren (unterwärts) verhauen.Da ging auch an, dass die Männer sich vorn, hinten und neben zunestel-ten und gingen also hart gespannt. Die jungen Männer trugen gemeinig-lich geknäufte Kogeln, als wie die Frauen. Diese Kogeln währten dreissigJahr und vergingen danach wieder.“

Ziemlich in Uebereinstimmung damit steht, was über die Wandlungder Tracht zu demselben Jahr die Frankfurter Jahrbücher 1 und, mitbesonderem Bezug auf Böhmen zum Jahre 1367 die Böhmische Chronikdes Hagecius erzählen. „In diesem Jahr“ — so bemerkt Hagecius —

1 S. die Auszüge daraus bei G. W. Locliner. Zeugnisse über das deutscheMittelalter u. s. w. Nürnberg 1837. I. S. 183 ff.