A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Männer (1350—1400). 205
üblich blieben (Fig. 98 b. c), trug man jener Neigung noch überdiesRechnung, indem man auch deren enge Ermel hinterwärts und zwar ge-meiniglich ihrer ganzen Länge nach mit kleinen Knäufen ausstattete(Fig. 98 b. c) und den Knopfbesatz überhaupt durch möglichst dichteAnordnung vermehrte. Die Ermel beliebte man zumeist sehr eng, unddann nicht selten über die Hand hin manschettenartig zu verlängern(Fig. 98 a). Daneben mm aber schmückte man sie in eigener Be-thätigung, unabhängig von fremdem Einflüsse, durch ■„Lappen“ oderbandförmige Anhängsel, die sich, bei wechselnder Anordnung im Einzel-nen, von den Schultern ausgehend, zuweilen selbst bis zur Erde erstreckten(Fig. 98 a). — Den kurzen Rock nannte man gemeinhin „Schecke,“ eineBezeichnung die ihren Ursprung wahrscheinlich der englischen Aussprachevon „Jacke“ und ,jacket“ verdankte; den längeren und derberen Rockaber „Wamms, “ welche Benennung sich unzweideutig als Uebertragungder Bezeichnungen „wammesin, wambtson, gambeson“ für das ritterlicheUntergewand auf das bürgerliche Kleid ergiebt. — Als im Jahre 1365in Folg^ des englisch -französischen Kriegs Engländer ins Eisass einbra-chen, veranlasste dies dass man zunächst hier deren Tracht theilweisuachahmte und auch, wie zu vermuthen steht, von ihnen den NamenSchecke entlehnte. „Ihre Kleider“—schreibt der Chronist Jacob Twingervon Königshofen 1 — „waren lang, kostbar und hatten sie auch gutenHarnisch-Beingewand. Davon kam die Sitte aus zu Strassburg , dass manlange Kleider und Scheken, Beingewand und spitze Hauben machte,was vordem zu Strassburg ungewöhnlich war.“
Die Neuerung an sich blieb wohl einstweilen vorwiegend auf dasEisass beschränkt; auch waren jene langen Kleider nur Obergewänder,die eigentliche untere Bekleidung hingegen, dazu eben die „Schecke“ ge-hörte, in üblicher Form enganliegend (vergl. S. 72).
In der Anordnung des Hüftgürtels folgte man nur sehr allmäligund auch niemals allgemeiner dem ausheimischen Vorgänge. Nur lang-sam entschloss man sich dazu, ihn von den Hüften herabzurücken; undmit Ausnahme einzelner Stutzer, die auch darin zu wetteifern suchten,trug man ihn kaum jemals so tief, dass er, als völlig zweckloser Reif,den unteren Saum des Rocks fast berührte (Fig. 98 a—c; vergl. Fig. 37bis Fig. 39). Nicht so hinsichtlich seiner Ausstattung, die man sich hierebenfalls zunehmend angelegen sein liess, ja bis zu derp Grade steigerte,dass man in den Aufwandgesetzen ganz besonders dagegen einschritt.Dies erstreckte sich zugleich auf die Täschchen und Dolchmesser, dieman gemeiniglich daran, nach altem Gebrauch, zu befestigen pflegte(Fig. 98 b. c).
1 G. "W. Lochner. Zeugnisse über das deutsche Mittelalter a. a, 0.