A. Tracht. Deutschi. u. Seandinav. Kleid, d. 'Weiber (1350—1400). 20T
Für die Mäntel oder „lloiken“ behielt man im Ganzen die beiden For-men, die des an der rechten Seite offenen und hier oberhalb der Schulterverschliessbaren Umhangs (Fig. 98 b. c) und die der nur mit Kopflochversehenen entweder völlig geschlossenen oder vorn der Länge nach zumZuknöpfen eingerichteten „Glocke“ ohne einige Veränderung bei. Unaus-gesetzt trug man sie beide von sehr verschiedener Weite und Länge,bald mit, bald ohne Gugelhaube.
In Betreff der Pflege des Haars, insbesondere des- Barts, bemerktdie Chronik des Hageciits schon zum Jahr 1329: „Nun auch begann dieRitterschaft ihre Bärte lang wachsen zu lassen, da man sich vordem glatt(bartlos) trug; auch trugen einige Knebelbärte, gleich Hunden und Katzennach heidnischer Art. Andere aber, ihre Mannheit verleugnend, nahmenweibischen Gebrauch an, trugen langherabhängendes Haar, kämmten undbleichten es nass an der Sonne. Etliche, die vor allen anderen berufenund schön erscheinen wollten, brannten und kräuselten ihr Haar, und jezierlicher einer dies konnte, je schöner er sich zu sein bedünkte.“ Ob-schon sich dies wesentlich auf Böhmen bezieht, trifft es doch im Grundegenommen auf die Deutschen überhaupt zu. Möglich, dass deren nun
ähnlicher Brauch von dort ausgegangen sei; jedenfalls aber fuhren sie
seitdem ohne Weiteres fort sich derartig zu bethätigen, wie denn unter
anderem der Rath von Speier um 1356 die Bärte geradezu untersagte
und fernere Verordnungen auch gegen die noch sonstigen geckenhaftenBestrebungen wiederholentlich ankämpften (s. unten).
Die Weiber blieben nun nach dem Umschwünge im Jahre 1350nicht mehr hinter den Männern zurück. Alles was in Bezug darauf dieLimburger Chronik zu eben dem Jahr und sodann die Verordnung vonSpeier bereits als unangemessen erwähnen, fand bei ihnen nichtsdesto-weniger seine noch weitere Ausbildung. Bis dahin hatten sie sich nochzumeist mit den altherkömmlichen langen und weiten Gewändern be-gnügt, vornämlich sich nur darauf beschränkend, diese, sei es durch Pelz-besatz oder durch anderweitigen Schmuck, mannigfaltiger auszustatten(Fig. 99 a); von da an indessen gaben sie das ermellose Ueberkleid auf,indem sie es ganz bei Seite legten oder doch zu dem sogenannten ,, Sor-ket“ dadurch abänderten, dass sie es theils zur Rechten und Linken vonunten herauf aufschlitzten, davon man jedoch sehr bald Abstand nahm,theils, zugleich mit dem unteren Kleide, sehr beträchtlich verengerten undmit ganzen Ermeln versahen. Nicht lange, so gefielen auch sie sich,durchaus ähnlich wie die Männer, in mancherlei Uebertreibungen, jagingen folgends darin noch weiter als dies gerade ihre Kleidung vorzugs-weise begünstigte. Ganz wie bei jenen betraf dies vor allem die zuneh-mende Verengerung, welche sich hier natürlich nur auf den Oberkörpererstrecken konnte, und den damit verbundenen Knopfbesatz; dann aber