A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Weiber (1350—1400). 209
möglichst steigern zu können, in weiterem Verlauf immer häufiger selbstbis zur Unförmlichkeit verbreitert (Fig. 99 b).
Neben den Kopfbedeckungen, die sich die Weiber gleichzeitigmit der Anordnung des Haars (S. 199) aus der Fremde aneigneten,brachten auch sie vorzugsweise die von den Männern getragene Gugelund zwar fast unter denselben Formen, wie die Männer, in Anwendung.Sie wurde von jedem Alter benutzt sowohl zum Schutz als auch zumSchmuck und demnach je eigens entweder einfacher oder reicher herge-stellt. Dazu kamen, und wie es scheint als eine einheimische Erfindung,jene Hauben, deren bereits die Verordnung von Speier gedenkt (S. 202)mehr und mehr in Aufnahme. Diese bedeckten den Kopf und die Schul-tern und waren an dem äusseren Rande, welcher das Gesicht umschloss,mit mehreren übereinander liegenden Reihen von zierlich gefältelten, klein-zackigen Kanten oder „Krausen“ besetzt (Fig. 99 c). Man nannte sie,eben in Folge dessen, „Hullen“ oder „Krüseler“ Ihrer aber bedientensich hauptsächlich nur verheirathete Frauen, doch auch nicht ohne damitzu prunken, indem sie gegen die Verordnungen fortfuhren die Reihender Krausen zu vermehren und die Haube selbst zumeist reich mit Zier-rath auszustatten. — Die Jugend, wie es ihr auch geboten war (S. 202)blieb neben der Benutzung von Gugeln noch längere Zeit bei der Ver-wendung der früher so beliebten Kopfbänder und Stimreifen oder „Schä-deln“ stehen; auch pflegte sie wohl ihr Haar noch zuweilen, anstatt esvöllig aufzubinden, entweder zu Langzöpfen verflochten oder völlig auf-gelöst, hinterwärts frei herabhängend zu tragen (Fig. 99 b). In Verbin-dung mit dem Allen gewann der Schleier an Bedeutung.
Ausserdem dass die Frauenwelt, gegensätzlich zu den Männern, fürihre mantelartigen Umhänge der Form des alten Rückenmantels mitdem ihm eigenen Verschluss vor der Brust fortdauernd den Vorzug be-wahrte (Fig. 99 c), die „Hoiken“ und „ Glocken“ dahingegen weit seltnerund auch gemeinhin nur als blosse Schutzkleidung anwandte, gab sie inallem noch Uebrigen den Männern an Uebertreibungen nichts nach. Dahingehören das Zaddelwerk an Gugeln und langen Hängeerm^ln, die Ver-längerung der Schuhspitzen, die Verschwendung in goldenen Zierrathen,sowohl als Besatz als auch in Gestalt von Halsketten, Spangen u. dcrgl.,wie denn gerade sie noch besonders zunehmend Werth auf den Ge-brauch von mancherlei Schönheitsmitteln legte, darunter namentlich dieSchminke bald allgemeinere Verbreitung fand. — \
Diese Kleidung, die sich somit bereits bis zur Unform hin verlorerfuhr nach Verlauf von nur wenigen Jahren, mit von Böhmen und Oester-reich ausgehend, in ganz Deutschland überhaupt eine weitere, zum grös-seren Theil noch seltsamere Durchbildung. Was die) Oesterreicher
"WeUs, Kostümkunde. III. 11