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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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210 !■ Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn dos 16. Jahrh.

betrifft, so bemerkt der Chronist darüber: 1 „Jeder kleidete sich nach Ge-fallen; einige trugen Röcke von zweierlei Tuch, bei anderen war der linkeErmel beträchtlich weiter als der rechte, ja bei manchem sogar noch weiterals der ganze Rock lang war. Andere hatten beide Ermel von derartiggleicher Weite, und wiederum andere verzierten den linken auf mancher-lei verschiedene Weise, theils mit Bändern von allerlei Farben, theils mitsilbernen Röhrlein an seidenen Schnüren. Einige trugen auf der Brustein Tuchstück von verschiedener Farbe, mit silbernen und seidenen Buch-staben geziert. Noch andere trugen Bildnisse auf der linken Seite derBrust, und aber andere wickelten sich die Brust ganz mit seidenen Ringenein. Einige liessen sich die Kleider so eng machen, dass sie solche nurmit Hülfe anderer oder vermittelst Auflösung einer Menge kleiner Knöpf-lein, womit die Ermel bis auf die Schultern, auf Brust und Bauch ganzbesetzt waren, wirklich an- und ausziehen konnten. Wieder andere tru-gen Kleider, die so um den Hals ausgeschnitten waren, dass man einenziemlichen Theil von Brust und Rücken sehen konnte. Einige fasstenden Saum der Kleider mit andersfarbigem Tuche ein; andere machtenstatt der Einfassung in die Ränder der Kleider zahlreiche Einschnitte. Soauch fing man durchgehend an, Kapuzen an den Kleidern zu tragen, des-wegen die vordem gewöhnliche Haubentracht der Männer aufhörte, dar-nach man unter den Weltlichen die Juden und Christen unterscheidenkonnte. Manche trugen weniges Haar, andere theilten es wie die Judenoder flochten es wie die Ungarn. Die Mäntel wurden so kurz gemacht,dass sie kaum auf die Hüften reichten. Man kürzte an den Oberröckendie Ermel, so dass sie nur bis an die Ellbogen gingen, von da aber liessensie einen Lappen wie ein Fähnlein herunterhängen.“

Fanden solche Sonderbarkeiten, dazu der böhmische Chronist ausdem Jahr 1367 noch Mehreres der Art zu bemerken weiss, in den übrigendeutschen Landen auch nicht gerade insgesammt und überall durchgängigVerbreitung, nahm man davon doch Mancherlei mit besonderer Vorliebeauf. So eignete sich das Stutzerthum allmälig immer allgemeiner denauffälligen Gebrauch an, die Oberröcke durch zweierlei auch in der Farbeverschiedenes Tuch gleichsam in Stücke zu zertheilen 2 und die zusammengehörigen Ermel unterschiedlich zu gestalten. Zudem auch ahmte es inWeiterem die besondere Thorheit nach, die zufolge jenes Chronisten vor-

1 Nach Geusau (Geschichte Wiens 1790. II. 8. 264 ff.J und nach Hor-mayer (Wiens Geschichte, VII. Heft. 172 ff.) datirt die nachstehende'Schil-derung bereits aus dem Jahr 1336, was indessen im Verhältniss zu der sonstigenGestaltung der Tracht überraschend früh erscheint.

2 Schon um 1343 gebot der Rath zu Nürnberg : „Es soll kein Schneider-knecht kein gefärbt Gewand mehr tragen; zwei Farben, gleich gehalten, mag erwohl tragen (Jäger. Juristisches Magazin I. S. 315).