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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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211
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A. Tracht. Deutschi. u. Scand. Kleid, d. Weib, u, d. Männer (1350—1400). 211

wiegend in Böhmen geübt wurde, „auf der Brust mit Baumwolle gefüt-terte Brustlätze zu tragen, auf dass es den Anschein haben musste, gleichals wenn ein Mann ebenso als ein Weib gebrüstet wäre, und diese fal-schen Brüste und Bäuche möglichst enge einzuschnüren.“

Noch bei weitem mehr indessen als die blosse Verallgemeinerung dieserund anderer Wunderlichkeiten wirkte auf die einmal geweckte Neigung zuimmer neuem Wechsel deren nun beständige Vermischung sowohl mit demschon Bestehenden, als auch mit den noch sonstigen mannigfachen Beson-derheiten, welche das Ausland dauernd darbot. In solchem Vollzüge, beidem Frankreich die Vorherrschaft behauptete, nahm bis gegen den Schlussdes Jahrhunderts die stete Steigerung in Vermehrung und namentlich inUmwandlung des Einzelnen in einem solchen Umfange zu, dass es selbstden Mitlebenden kaum mehr thunlich erscheinen mochte darüber ausführ-licher zu berichten. So beschränkt sich der sonst so eingehende Lim-burger Chronist darauf, zunächst erst wieder zu dem Jahre 1370 zu be-merken: „neue Kleidung ging au in dem Jahr, das waren die laugenTappertc, die trugen sowohl Männer als Frauen, und trugen die Männerdie Heuken kurz, weit, auf beiden Seiten geknäuft; und währte nicht langin diesen Landen.“—Fortfahrend in seiner Schilderung, dabei er nun schonzehn Jahr überspringt, mithin zum Jahr 1380, vermag er dann selbst nichtzu unterlassen sie gleich mit den Worten zu beginnen: „wer heuer einguter Schneider war, der taugt jetzt nicht mehr eine Fliege, also hat sichder Schnitt verwandelt in diesen Landen in so kurzer Zeit.“

„In dcmselbigcu Jahr“ — erzählt er sodann — „gingen die Männerund die Frauen, edele und unedcle, Knaben und Jungfrauen mit Tapper-ten, und hatten die in der Mitte ,gegurtet, und die Gürtel hiesse manDuchsing; die Männer trugen sie kurz und lang, wie sie wollten, undmachten daran grosse lange und weite Stauchen, einestlieils bis auf dieErde. Diesen Schnitt haben sie nicht von Nothdurft oder aus Grobheit an-genommen, sondern lediglich von Hoffahrt.“

„Da auch fing es an, dass man nicht mehr die Haarlocken und Zöpfetrug, sondern die Herren, Ritter und Knechte trugen gekürztes Haar oderKrüllen, über den Ohren abgesclmittcn, gleich wie die Conversbrüder. Dadies die gemeinen Leute sahen, thaten sie es ihnen nach.“

„Es führten die Ritter, Knechte, Bürger und die reisigen Leut über-haupt, lange Schecken, Scheckenröcke, geschlitzet hinten und beneben, mitsehr grossen und weiten Ermeln; die Pieschen an\den Ermeln betrugeneine halbe Elle oder mehr. Das hing den Leuten über den Händen undwo man wollte, schlug man sie auf. — Die Ilundskogeln führten Ritterund Knechte, Bürger und auch reisige Leute. — Item auch trugen dieMänner Ermel und Wämser ohne Schoppen (Joppen) und andere Kleidung,