A. Tracht. Deutschi. u. Scandin. Kleid, d. "Weib. u. Männer (1350—1400). 2 1 5
Der zur Gürtung dieses Rocks benützte, von dem Limburger Chro-nisten mit „Duchsing“ bezeichnete Hüftgürtel, später gelegentlich auch„Dupsing,“ „Dusing“ und „Teusinke“ genannt, verdankte diese Benen-nungen einer besonderen Yerzierungsart, die, wenn auch nicht gerade neu,doch in ihrer nunmehrigen ^ erbreitung immerhin eine auffällige, durch-greifende Wiedererneuerung war. Zufolge der Ableitung jener Bezeich-nungen von dem alt'erthümlichen Ausdruck „dus, dos, thus, dus“ für„Getöse,“ bestand ein solcher Zierrath aus mehreren metallnen klingendenAnhängseln oder auch, was noch verwunderlicher ist, geradezu ausSchellen uud Glöckchen. Obschon eine derartige Ausstaffirung auchbereits im dreizehnten Jahrhundert von einzelnen Rittern beliebt wordenwar, dabei sie diese jedoch noch zumeist auf das Pferdegeschirr beschränk-ten, 1 und danach auch die Verordnung von Nürnberg um 1343 gebot:„kein .Mann noch Frau soll keinerlei Glocken, Schellen, noch irgend vonSilber gemacht hangende Dinge au einer Kette noch an einem Gürteltragen,“ hatte dieser Gebrauch doch bisher nur bei den höchstgestelltenStänden, und auch bei ihnen nur vereinzelt, sonst aber, wie eben in Nürn-berg , stets nur ausnahmsweise statt. Gegen Ende des Jahrhunderts indesswurde er, im Gegensatz zu Frankreich und England (S. 85), vor allem inDeutschland und selbst in Schweden 2 fast allgemein, und namentlich auchbeim Bürgerstande in Nachahmung des höheren Adels allmälig in einerWeise gesteigert, dass man in den folgenden Verordnungen dann auchgerade diesen Punkt ganz besonders berücksichtigte. Als um 1370und 1376 der Herzog Otto zu Göttingen grosse Feste veranstaltete, er-schienen dabei — nach der Göttinger Chronik — „vieleRitter, Weiberund Jungfrauen geziert mit herrlichen Purpurgewändern und klingenden,silbernen mid goldenen Gürteln und Borten, mit langen Röcken und Klei-dern, die gingen alle schurr, schurr und kling, kling.“
Mit der Einführung des Tapperts und seiner sofortigen Anwendungbeim männlichen und beim weiblichen Geschlecht begann nun inder Tracht überhaupt ein ähnlicher Wechsel, wie solcher bereits seit langein Frankreich und England bestand. Bei den Männern war dies haupt-
1 S. das Nähere darüber, wie über die frühere Schellentracht überhaupt, inmeiner „KoBtümkunde. Geschichte der Tracht u. s. w. vom 4. bis zum14. Jahrhundert.“ Stuttgart 1864. S. 645. , .
s Dass diese Mode von Deutschland ausging, bestätigt die alte schwedischeReimchronik, welche J. Hadorph im Jahr 1674 zu Stockholm im Druck veröf-fentlichte. Es wird darin von dem Meklenburgischen Herzoge und späteren Kö-nige von Schweden , Albrecht, der um 1361 starb, erzählt:
„Käm einer noch so arm aus deutschem Land,
So hat er doch ein Schwert in der Hand,
Und kann er tanzen, hüpfen und springen,
Da müssen seine vergüteten Glocken dazu klingen.“