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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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217
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A. Tracht. Deutschl. u. Scandinav . Kleid, d. “Weiber (1350—1400). 217

Hüftgürtels möglichst dicht unter den Brüsten gegürtet, mithin zugleichdie Taille verlängert (Fig. 49 a). Zudem ward das so gekürzte „Leib-chen“ in steigendem Grade durchgängiger mit gestickten Borten besetzt undauch sonst mehrfach reich geschmückt. Den Schellengürtel behieltman bei, indem man ihn fortan jedoch zumeist nur lose um die Hüftenhing. — Trotz der grossen Zierlichkeit jener selbständigen Ueb.er-ziehleibchen, deren sich die französischen und englischen vornehmenDamen bereits seit der Mitte des Jahrbunderis bedienten (S. 60, Fig. 48),fanden diese hier doch niemals eine allgemeinere Verbreitung. Am häufig-sten noch wurden^ sie in der Folge von den Rheinländerinnen beliebt,sonst aber auch selbst in den höheren Ständen stets nur ausnahmsweisegetragen. Sie scheinen dem deutschen, derberen Geschmack nicht sonder-lich entsprochen zu haben.

Auch an den mancherlei seltsamen Formen der französischen Kopf-bedeckungen, wie namentlich an den hohen „Atours“ mit ihren weit-abstehenden Hörnern, breiten AVülsten u. dergl. (S. 83), konnte man, we-nigstens noch zunächst, keinen rechten Gefallen finden. Nur sehr verein-zelt nahm man sie auf, und es bedurfte hier mindestens einer Dauer vonvierzig Jahren bis dass man sich daran gewöhnte sie kleidsam und nach-ahmungswerth zu erachten. Um so mehr Werth aber legte man auf dieAusstattung der eigenen Kopftrachten. Nächstdem was die Verordnungenhauptsächlich in Betreff der „Kronschabel,“ der Hauben oder „Krüseler“und der Schleier ausdrücklich bemerken, eignete man sich mehr und mehrvon goldenen oder von silbernen Fäden zierlich geflochtene Haarnetze an,sie mit kleinen metallnen Anhängseln, mit Perlen und Steinen reichlichbesetzend. Zudem blieb bei dem weiblichen Geschlecht die Gugel nochlängere Zeit in Geltung, indem es diese nun ebenfalls zu einem Zierstückgestaltete. — In Verbindung mit dem Alien ward es vorwiegend unterden Jungfrauen immer üblicher auch das Haar, trug man Locken, aufdem Scheitel mit Kettchen und Perlenschnüren zu schmücken, und trugman Zöpfe, gleichviel ob man sie längs dem Rücken herabhängen liessoder rings um den Kopf ordnete, mit derartigem Schmuck zu verflechten.

Die den Weibern eigenen langen Tapperte und Mäntel erfuhrennicht minder eine ihrem Geschmack entsprechende Bereicherung, sei esnun, abgesehen vom Stoff, durch Bortenbesatz oder Zaddelwerk oder durchzierliche Buntstickerei. Sonst aber folgten sie gerade hierbei ziemlichgleichmässig den Wandlungen der männlichen Tapperte und Mäntel, wiedenn ja auch insbesondere den Weibern wiederholentlich verboten ward,ihre Mäntel zu sehr zu kürzen und „Kragenmäntel* anzulegen (S. 213).

Nicht minder auch steigerte sich der Aufwand in Anbetracht der Klei-derstoffe. Neben den sonst gemeiniglicher angewandten derb wollnen unddicht gewobenen linnenen Zeugen wählte man in stets weiterem Umfange