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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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218 !■ ^ aä Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jabrh.

die verschiedenen Seidengewebe, Satnmt und feines Leinengespinnst. Auchneigte man schon immer mehr dazu sich buntfarbiger zu bekleiden undden grossgemusterten Stoffen, die nicht lange vor dieser Zeit, von denNiederlanden ausgehend, in Frankreich Mode geworden waren, vor allenanderen den Vorzug zu geben. Die „getlieilte“ Kleidung indessenblieb einstweilen noch auf die Männer und auch bei diesen noch we-sentlich auf die Beinkleidung beschränkt; hinsichtlich jedoch der Anwen-dung und Vermehrung von Zaddelwerk, von klingenden Glöckchen u.s.w.,wie auch in Verlängerung der Schuhspitzen, fuhren beide Geschlechterfort einander durchaus nichts nachzugehen.

Als ein Beispiel inwieweit etwa ums Jahr 1400 die Kleiderthorheitselbst in kleineren Städten um sich gegriffen hatte, mag die folgendeSchilderung der damaligen Tracht in Kreuzburg dienen: 1 „Die reichenLeute hatten Teusinke um, war ein silberner Gürtel, da hingen Glück-lein an; wenn eines ging, schellte es um ihn her. Das Mannsvolkhatte Kappen mit wollenen Traddeln, ellenlang, und setzten sie über dieStirn. Ihre Schuhe waren vorn spitzig, fast ellenlang und auf den Seitengeschnürt; und Holzschuhe mit Schnaken, auch ellenlang. Ja einigemachten an die Spitzen Schellen. Auch hatten die Männer Hosen ohneGesäss, banden solche an dieHemder. Die reichen Jungfrauen hattenRöcke ausgeschnitten hinten und vorn, dass man Brüste und Rücken fastentblösst sah. Auch waren diese Röcke geflügelt und auf den Seitenausgefüttert. Etliche, damit sie schmal blieben, schnürten sich so engeein, dass man sie umspannen mochte. Die adeligen Frauen hatten ge-schwänzte Röcke (Schleppen), vier oder fünf Ellen lang, so dass sie Kna-ben nachtrugen. Die Frauen und Mägde hatten an Röcken dopple dickeSäume, handbreit; die reichen Weiber silberne Knäufen oder breite sil-berne Schalen, von oben bis unten auf die Schuh. Die Mägde trugenHaarbänder von Silber, verguldete Spangen und hangende Flammen(Schleier) zum Geschmuck auf den Häuptern; die Weiber auch langeMäntel mit Falten, unten weit, mit zwiefachem Saum handbreit, obenmit dickem gestärktem Kragen, anderthalb Schuh lang: hiessen Kragen-mäntel. Auch hatten die Männer Wämser von Barchent, mitten warendoppelte Krägen von Tuch mit Taig zusammengekleistert; und kurzeRöcke mit zwei Falten, kaum wurde der Hinterste bedeckt.“ —

Während des fünfzehnten Jahrhunderts häuften sich die Verord-nungen. Gleich schon in den ersten Jahrzehnten Hess man hauptsächlichin grösseren Städten, wo der Reichthum der mittleren Stände jeden Zwangum so eher durchbrach, unter stets verschärften Maassnahmen ein Auf-

1 S. bei J. Schoible. Die gute alte Zeit geschildert in historischen Bei-trägen etc. I. S. 87 (Stuttgart 1847).