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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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222 !■ Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

kostbarlichen Halsbändern, grossen silbernen (Hüft-)Gürteln und mancher-lei Art von Spangenwerk.“ —

Die Männer hatten sich seit dem Beginn des Jahrhunderts vorzugs-weise den weiten Tappert zu eigen gemacht. Dieser, gleichviel wie langman ihn trug, bot sich ihrer besonderen Neigung zur Fortgestaltung desZaddelwerks als das geeignetste Mittel dar. Seine von vornherein zu-meist äehr langen Sackermel namentlich waren dem ganz ausnehmendgünstig. "Nächstdem dass man sie in dieser Form allmälig noch erwei-terte, begann man nunmehr sie theils nach unten, theils aber auch gänz-lich aufzuschlitzen und eben an den so gebildeten Bändern die Zaddellustvöllig frei auszulassen. Man begnügte sich nicht damit sie hier nur ein-fach und zu einander gleichförmigen Lappen auszuschneiden, vielmehrschritt man alsbald auch dazu das Lappenwerk durch Aufnähen vonanderen Lappen zu verdoppeln und die Lappen unter sich abwechselndverschieden zu gestalten. Ingleichem wurde der untere Rand des Ge-wandes ausgestattet, wo man die Zaddcln noch insbesondere, vornämlichin späterem Verlauf, zunehmend höher hinaufrückte; und ebenso pflegteman mitunter auch den damit verbundenen, doch jetzt gewöhnlich nurkurzen Halskragen und selbst die Schulterstücke da, wo die Ermel ein-setzen, an den Rändern auszuzacken (vergl. unten). — Neben derartigenTapperten, die schon ihrer Kostbarkeit wegen selbstverständlich immernur von dem Wohlhabenderen beschafft werden konnten, erhielten sichsowohl bei denen, welche dem beständigen Wechsel überhaupt nicht sehrhuldigten, als auch bei den eigentlich mittleren weniger begüterten Stän-den, wie den Gewerbsleutcn u. s. w., die einfachen Tapperte unausgesetzt-Bei diesen Ständen blieb vorzugsweise die althergebrachte Form desweiten glockenförmigen Umhangs mit ziemlich engem Kopfloche min-destens bis gegen die Mitte des Jahrhunderts in Gebrauch, seit dessenBeginn nur insofern verändert, als man ihn fortan mit weiten Einschnittenfür die Arme ausstattete und diese Einschnitte, wie auch zuweilen denunteren Rand mit Pelzwerk verbrämte.

Da der Tappert, sei es auch in welcher Gestalt man ihn anwendete,den Körper zum grösseren Theil umhüllte, mithin auch den engen Sche-ckenrock, falls man ihn überhaupt dazu trug, nicht zur Geltung kom-men liess, fand derselbe vorläufig nur geringe Berücksichtigung. DieserRock ward dann erst wiederum Gegenstand der Neuerungssucht, als manjene weiten Gewänder mehr und mehr bei Seite setzte oder doch zu vorndurchaus offenen „Schauben“ umwandclte, was indessen kaum vor derMitte des Jahrhunderts statt hatte.

Die Schellentracht erfuhr bis dahin ihre noch fernere Durchbil-dung sowohl in der Anordnung der Schellen als auch in Rücksicht ihrerForm. Was den ersten Punkt betrifft, so blieb man nicht lange dabei