A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Männer (1400—1450). 223
stehen, einzig nur den Hüftgürtel mit solchen Gehängen zu besetzen,vielmehr übertrug sie alhnälig auch auf die Gewänder selbst und fügtedem endlich sogar noch einen besonderen Schellengürtel hinzu. Bei denGewändern allerdings beschränkte man sich im Ganzen darauf nur ein-zelne Stellen, wie etwa den Saum des Halsausschnitts und die Ränderdes Rocks und der Ermel derart auszustatten-, jener besondere Gürtelindessen war durchgängig so verziert. Derselbe wurde in der Gestalteines breiten Bandeliers quer über Brust und Rücken'getragen und glichvöllig den Schellengürteln, deren man sich schon vor der Zeit sowohl inFrankreich als auch in England gelegentlich zu bedienen pflegte(S. 85, vergl. unten). — In Anbetracht- der Form der Schellen wech-selte man aufs Vielfältigste. Hierbei ganz abgesehen von der Grösse, dieman in einzelnen Fällen sogar bis zum Uebermaass steigerte (S. 221),bildete man sie bald einfach rund, bald birnen- oder eiförmig, bald mehroder minder walzenförmig und dann nicht selten gänzlich gewunden, oderaber man wählte statt dessen, entweder in Verbindung damit oder aus-schliesslich, ganz offene Glöckchen. Als Herzog Friedrich von Sachsenum 1417 in Konstanz einzog, prunkte sein ansehnliches Gefolge, Ritterund Knappen, mit Schellengürteln. Und zufolge der Darstellungen derNürnberger „Schönbartbücher“ 1 von 1449, 1451 und 1453 trugen die„Schonbartläufer“ in Nürnberg an einem Riemen befestigte Glöckchenzuerst um den Leib, dann um den Hals und schliesslich, um 1453, quer-über von der rechten Schulter nach der linken Seite gehend.
Mit der sogenannten „getheilten Kleidung“ verhielt es sich einst-weilen noch ähnlich wie mit dem Scheckenrock. So lange man sich vor-wiegend der längeren Uebergewänder bediente, blieb dadurch auch sieim Ganzen in ihrer Fortgestaltung gehemmt. Ausser der beständig be-liebten Zweitheilung der Beinlinge, darin man freilich nach und nachimmer auffälliger wechselte, waren es etwa bis zum Beginn der zweitenHälfte des Jahrhunderts nur hie und da doch nur einzelne Stutzer, welchedies auf den Rock übertrugen und sieh wohl auch nicht nur damit be-gnügten ihn seiner ganzen Länge nach verschiedenartig zu halbiren, son-dern ausserdem auch seine Ermel unterschiedlich gestalteten.
Um so entschiedener beharrte man bei den spitzgesehnäbeltenSchuhen. Hierin, weder den Engländern noch den Franzosen etwasnachgebend (S. 92), suchte fortan Einer den Andercp geradezu zu über-bieten: ein Wetteifer der sich allmälig bis auf die dienenden Stände er-streckte. Auch blieb man nicht mehr dabei stehen die Spitzen nachMöglichkeit zu verlängern, vielmehr schritt gelegentlich dazu sie überdies
1 Nürnbergisches Schönbartbuch und Gesellenstecken. Aus einem altenManuscript zum Druck befördert. Nürnberg . — M. Mayer. Nürnbergisches Schem-bartbuch aus alten Handschriften. Mit color. Abbild. Nürnberg 1831.