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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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224 I* Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

vorn mit einer Schelle oder Glöckchen zu besetzen (S. 218) und denganzen Schuh an sich durch Färbung recht augenfällig zu machen. Sounter anderem trug man zu Erfurt im Jahre 1444 Schnabelschuhe vonrothem Hirschleder. — Gleichzeitig damit kamen dann auch, wie inFrankreich und England, um das Gehen zu erleichtern, hohe hölzerneUnterschuhe mit schnabelartig verlängerten Spitzen auf, diese vomäm-licli dazu bestimmt jene Schübel zu unterstützen. Sie wurden vermit-telst daran befindlicher Durchsteckriemen am Fuss befestigt und warengemeiniglich „mit Eisen oder rein mit Messing beschlagen hinden undvornen umb den Umbschweif“ (vergl. S. 93).

Unter den Kopfbedeckungen gelangte der Hut in allen den For-men, die man in Frankreich dafür beliebte, zu bei weit überwiegenderGeltung (S. 94); weniger die dort ebenfalls allgemeiner verbreiteten hohentrichterförmigen ungesteiften Filzkappen, die somit wohl dem deutschenGeschmack nicht besonders zusagten. Die Wenigen, die solche dennochanwandten, trugen sie mindestens viel niedriger und zumeist mit nochmancherlei schmückendem Beiwerk, als farbigen Bändern, Randstickereiu. s. w. versehen. — In um so höheren Grade aber steigerte sich dieVorliebe für die französisch-englische Mode die Kopfbedeckung mit einerlangen und breiten Binde zu umwinden und diese seitwärts herabhängenzu lassen. Diese Binde hier nach dem Stolf (leichte Seide oder „Sendel“),welchen man zumeist dazu wählte, gemeinhin nur „ Sendelbinde“ genannt,war zugleich der vorherrschenden Neigung für Zaddelwerk ganz ausneh-mend günstig. Anfänglich, nach französischem Vorgang, sich wesentlichdarauf beschränkend sie nur an den Enden auszuzaddeln, übertrug mandies in der Folge auch auf ihre Langseiten, dabei nun auch sonst nochganz ähnlich verfahrend wie mit dem übrigen Zaddelwerk (S. 222, vergl-unten). — Die „Gugel “ gab man zwar nicht auf, bediente sich ihrer je-doch mehr und mehr nur noch in der Eigenschaft einer zweckmässigenSchutzhülle, bei schlechtem Wetter und auf der Jagd; ingleichem dermantelartigen Umhänge, die demnach auch jetzt noch im Grunde ge-nommen kaum einige Veränderungen erfuhren.

Junge Stutzer blieben dabei das Haar, gelegentlich wie die Jung'frauen, mit farbigen, auch wohl gestickten Bändern und zierlichen buntenSchnüren zu schmücken. Auch pflegten sie zuweilen daran, vor der Sti ffl,eine goldene Agraffe und einige Federn zu befestigen. — Das Haarselbst wurde von ihnen gebrannt, sorgfältig frisirt und vorzugsweise z uförmlichen Ringellocken geordnet. Ehrbargesinnte und ältere Männertrugen es durchweg voll aber schlicht, selten länger als bis zum Kinn-Der Bart ward mit wenigen Ausnahmen geschoren. Nur das Alter undeinzelne Ritter liessen theils den ganzen Bart, theils aber nur den Kinnhart wachsen.