228 I* D® 8 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrli.
Fessel entsclilagend die Anstand, Schönheit, Zweckmässigkeit und dieSchamhaftigkeit auferlegt, überliess man sich bald ohne Scheu jeder, auchnoch so tollen Laune, wenn man nur das Eine erreichte: gesehen undbewundert zu werden. Auch wurde nun dadurch nicht nur die Form,vielmehr zugleich die Farbe bestimmt, darin man zu stets grelleren undschrofferen Zusammenstellungen vorschritt.
Im Ganzen allerdings blieben nun doch die burgundischen Trachtenmaassgebend. Dies zumal bei den Vornehmen, während die minder be-güterten Stände es jenen mindestens gleich zu thun suchten. Der Auf-wand, den dies erforderte, griff somit immer tiefer und tiefer und da auchweder die ferneren Verordnungen, die dagegen erlassen wurden, noch dieheissenden Gegenreden einzelner gestrengen Sittenrichter dem Uebel irgendzu wehren vermochten, gewann endlich das äussere Gebahren wenigstensin zahlreicheren Kreisen wohl selbst das Gepräge des Lebenszwecks.
Die Männer, falls sie nicht der burgundisch-französischen Modedurchaus folgten (S. 105 ff.), eigneten sich von ihr fast durchgängig derenbis zur Schamlosigkeit gesteigerte Knappheit und Enge an. Die vonihnen bisher so beliebten weiteren und längeren„Tapperte“ vertauschten sie nun zumeist mit derSchaube und vor allem wiederum mit dem engan-schliessenden „Scheclcenrock diesen in zuneh-mendem Grade kürzend und um die Hüften ver-engernd. So bis etwa um 1480, bis zu welcherZeit letzterer zu einer nur noch den Oberkörperäusserst knapp bedeckenden Ermeljacke zusam-menschrumpfte , welche, theils mit nur sehr kur-zen zu den Seiten offnen Schössen versehen (Fiff-104 a), theils ohne irgend welchen Schooss ebennur bis zur Taille reichte. Die gleiche möglichsteGespanntheit dehnte man auf die Bcinling eaus, auf diese dann auch die in Folge dessen mFrankreich üblich gewordenen Schamkapseln oder„braguettes“ übertragend (Fig. 102). Beides, deJacke und die Hose, wurde nunmehr unmittelbardurch Nesteln oder durch Schnüre verbunden, s °dass sich der Körper in seiner Ganzheit nachseinen Formen genau kennzeichnete. Danebenbegann man die Jacke vom weiter und weit erauszuschneiden und in den Ausschnitt, abermals nach französischem Vor-gänge und ganz ähnlich wie die Weiber ihren Brustausschnitt verzierten)einen mehr oder minder reich gestickten Unterlatz einzusetzen; dieErm®verschiedentlich zu kürzen, sie bald inner- bald ausserhalb ebenfalls ste
Fig. 102.