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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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234 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

der Jahreszeit, von mancherlei Stoff und Farbe beschaffte, pflegte man esvorwiegend mit Pelzwerk entweder durchgängig zu füttern oder dochmindestens längs den Aufschlägen und an den Rändern damit zu besetzen(Fig. 106 c; Fig. 107 b): ein Aufwand der sich im Uebrigen schon vor-dem und so auch noch fernerhin selbst auf die (geschlossenen) Tapperteerstreckte (Fig. 106 a. b). — Während der begüterte Bürgerstand sichfast durchgängig damit begnügte die Schaube nicht länger als etwa biszur Mitte der Unterschenkel zu tragen, verlängerten sie die höchstenStände allmälig bis über die Füsse herab, auch darin schliesslich demVorgänge der französischen höfischen Kleidung folgend (vergl. Fig. 73).

Als eine Abart der kurzen Schaube, gleichsam als ein Mitteldingzwischen dieser und dem Tappcrt, brachten einzelne vornehme Stutzernoch ein besonderes Gewandstück auf. Dasselbe bildete einen zu beidenSeiten offenen Ueberhang, in seinen beiden Hälften gewöhnlich zu gleich-mässigen Langfalten geordnet, unterwärts mit Pelz verbrämt, und zuweilennoch überdies mit einem breiten, beliebig gestalteten Schulterkragen vonPelzwerk bereichert (Fig. 105 d). —

Noch mancherlei anderweitige Formen erfand die Laune des Ein-zelnen. Sie indess, zumeist anknüpfend an die einmal allgemeiner ge-bräuchlichen Gestaltungen, äusserten sich doch im Wesentlichen nur ineiner mehr oder minder gesteigerten Verzerrung derselben, was jenendenn allerdings zumeist das Gepräge des durchaus barocken undnarrenhaften aufdrückte. Gerade in Betreff dieses Punktes war esnun insbesondere die Theilung oder „Gehalwirung“ und, wenig-stens noch für einige Zeit, die Vorliebe für das Zaddelwerk, fürSchellenbehang und Schnabelschuhe, daran man sich vor allemanderen in solcher Weise ergehen konnte und somit auch völlig schran-kenlos, ja bis zum Possenhaftesten hin erging. Im Uebrigen blieb mannoch einstweilen dabei stehen die Mehrtheilung vorwiegend an der demganzen Körper enganschliessenden Bekleidung und das Zaddelwerk haupt-sächlich, ausser an Hängeermeln und Krägen, an den weiteren Gewän-dern fortzugestalten, den Schellenbehang aber sowohl bei jener als auchbei dieser anzubringen.

Hinsichtlich zunächst der Mehrtheilung, des sogenannten „mi~jgarti,“ dehnte man den dahin zielenden Wechsel nicht mehr allein aufFarbe und Form, sondern auch selbst auf den Stoff in zunehmenderVerschiedenheit aus. Auch ging man alsbald von der bisher vomämlichnur auf die Beinlinge beschränkt gewesenen Halbirung zu einer dement-sprechenden Theilung der übrigen Gewandstücke, später sogar auch derKopfbedeckung und der Fussbekleidung über.

Die einfachste Art war, dass man die ganze Bekleidung durch zweiverschiedene Farben geradezu in zwei Hälften zerschnitt, so dass ein der-