Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
236
JPEG-Download
 

236 L Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

betrifft, in unmittelbarer Verbindung auch damit,' erreichte das Lappen-und Zaddelwerk seine äusserste Durchbildung, doch damit zugleichauch seine Endschaft. Sie vollzog sich, nachdem man auch hierin dasAbsonderlichste geleistet hatte, allerdings immer nur allmälig und auchnicht ohne einzelne Rückschläge bis etwa gegen 1470, von da an dieseArt der Ausstattung, nun aber auch nur noch in der bis dahin bereitssehr beträchtlich beschränkten Form, den öffentlichen und sonstigen Spass-machern oder Narren verblieb. — In diesem Vollzüge vermehrte mandie Zaddeln bis zur Ueberhäufung. Unter Beibehalt der dafür einmal

Fig. 108.

U m

—Mal

lifö

«MB

mmMi

schon üblichen seltsamen Formen, wurde nunmehr zu öfterem die ganzeBekleidung in allen ihren nur irgend dazu geeigneten Theilen derartigbesetzt oder ausgeschlitzt. Die weiten Sack- und Hänge-Ermel er-hielten ausser den ihnen bereits an den Hand- oder Armöffnungen zuge-ordneten mehrfachen Zaddeln selbst längs ihrer äusseren Nath, von denSchultern herab bis zur Hand, einen dem ganz ähnlichen Besatz; ebensowurden die Ueberfallkragen nicht sowohl stets tiefer gezackt alsauch durch Uebereinanderordnung von mehreren solchen Zaddelbesätzenzu wahrhaftem Flickenbehang gemacht (vergl. Fig. 105 c d). Das Aehn-liche, in noch erhöhtem Maasse, geschah an den mancherlei weitenRöcken und auch an einzelnen Um hängen, wie insbesondere an denringsum geschlossenen sogenannten „Glocken“ (Fig. 108 c). Ueberallwurde das Zaddelwerk, namentlich der Kanten und Ränder, in zuneh-mendem Grade verbreitert, durch Auf- und Nebeneinandersetzen von ver-schieden gestalteten Lappen gleichsam etagenförmig gegliedert (Fig. 108a.bJ