A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Männer (1450—1500). 237
und dabei zuweilen überdies, wenn schon in nur einfacherer Vertheilung,auf das ganze Gewand ausgedehnt (Fig. 108 c). Im Zusammenhängedamit pflegte man auch die Sendelbinde ganz dementsprechend zugestalten (Fig. 108 a). Doch ging man gerade in Anwendung dieses so sehrbeliebten Schmucks auch noch weiter, indem man oft mehrere derartige Bin-den, ja mitunter deren zwölf, zu einem Ganzen vereinigte und so bisweilenauch deren Enden mit mancherlei kleinen verschieden geformten Zierrathenbesetzte oder behing. — Als Ausläufer dieser Tracht erübrigten schliess-lich, sehr vereinfacht, an den Röcken der untere Besatz und an den Er-meln die Vorderen Zaddeln und die längs der äusseren Nath.
Fast gleichzeitig mit dem Zaddelwerk verlorsich der Gebrauch der Schellen aus dem Bereichder guten Gesellschaft. Inzwischen aber war manauch hierin bis zum Uebermaass vorgeschritten,obschon wohl niemals in solcher Ausdehnung undallgemeineren Verbreitung, wie eben in jener Ver-zierungsart. Im Ganzen begnügte man sich nochferner mit den beiden verschiedenen mit Schellenausgestatteten Gürteln, dem Hüftgürtel und demSchultergurt (Fig. 109), nur im Einzelnen demnoch besonderen Schellenbehang hinzufügend. Sol-chen brachte man dann zumeist, wie auch schonvordem, um eines der Knie und an den Spitzender Schuhe an, trug ihn auch wohl in Gestalt einesHalsbands und zuweilen auch an den Zaddeln inbeliebiger Vertheilung, ganz in Weise von Anhäng-seln; höchst selten in noch weiterer Anordnung,wie etwa längs den Schienbeinen oder längs denOberschenkeln (einfach oder überkreuz), was wiees scheint, wohl überhaupt nur bei grösseren fest-lichen Vorkommnissen, so bei dem Schönbartlaufenin Nürnberg , von den dabei Betheiligten zur Erhöhung des Scherzes An-wendung fand. — Im Uebrigen erging es diesem Schmuck ganz ähnlichwie dem Zaddelwerk. Auch er verblieb, nachdem man seiner in den'vor-nelimen und reicheren Kreisen überdrüssig geworden war, etwa seit 1470,lediglich dem Narrenthum, das ihn hiernach zu einem bestimmten Ab-zeichen seines Standes machte.
Hartnäckiger hielt man an der Mode der langschnabeligenSchuhe fest. Trotz aller Verordnungen dagegen sie mindestens zu er-mässigen, währte sie auch hier, wie in Frankreich , unter nur sehr all-mäligem Aufgeben bis gegen das Ende des Jahrhunderts, etwa bis 1490(Fig. 102 ; Fig. 103 a—c), von da an dem gerade gegensätzlichen Ge-
Fig. 109.