238 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirli.
schmack für die breiten Schuhe weichend (S. 115). — Schon um 1460hatte der Rath zu Nürnberg den Schustern daselbst ein bestimmtesMaass für die Länge dieser Schnäbel gegeben, und um 1470 verbot unteranderem der Rath zu Bern bei drei Pfund Strafe längere Spitzen zutragen, als das niedere Gelaich eines Fingers. Nicht lange danach (1473)wurden sie in Nürnberg auf das besondere Ersuchen des Bischofs vonBamberg durchaus verboten. Doch ungeachtet auch eine päpstliche Bulleum 1480 erschien, die solchen Gebrauch gleichfalls untersagte, sah sichdoch selbst noch um das Jahr 1485 der Rath zu Regensburg dahingedrängt, der dafür noch immer herrschenden Neigung mindestens zuzu-geben „Schuhspitzen von zwei Fingerglaich Länge, aber nicht längertragen zu dürfen. Nur fremden Gesellen sei es gestattet, noch längereSchnabelschuhe zu führen, doch auch nur so lange, bis sie die mitge-brachten zerrissen hätten. Die Schuhe und Sockeln der Frauen aberdürfen nicht längere Spitzen haben, als höchstens ein Fingerglied betrage.“Ja selbst noch nachdem die Mode bereits, zufolge des Ausspruchs derErfurter Chronik um das Jahr 1480 und der Bemerkung der Augsburger Chronik um 1496 gänzlich verschwand, fand man um 1501 in Stuttgart genügend Veranlassung bei Aufstellung einer Schulordnung darin denSchülern die Anwendung spitziger Schuhe zu verbieten. — Mit demVerlassen der Schnabelschuhe gab man allmälig auch die langspitzigenhölzernen Unterschuhe auf (Fig. 105 b; Fig. 106 a), sie nun durchzunehmend derbe lederne Hackensohlen ersetzend.
Die Kopfbedeckungen vervielfältigten sich nach den verschieden-sten Richtungen hin. Die Hüte gestaltete man höchst willkürlich baldhöher bald niedriger, in allen Fällen mit schmälerer oder breiterer Krempe,diese entweder einfach belassend oder aber bald an der einen, bald ander anderen Seite aufklappend (Fig. 105 b ; Fig. 106 b). Den Mützeninsbesondere gab man oft die seltsamsten Formen. Sie umfassten dasganze Gebiet von der nur knappen Rundkappe bis zum höheren oderniedrigeren walzenförmigen Aufsatz (Fig. 102 ; Fig. 104 c — f) jnul vondem turbanähnlichen Bund (Fig. 104 a. b; Fig. 107 b) bis zum flachen,umwulsteten Barett (Fig. 105 b. c. d; Fig. 104 d). Auch brachte man,und zwar vornämlich höhere Rundmützen in Anwendung mit einem breiten,zu den Seiten aufgeschlitzten Vorrande, der beliebig entweder ganz odernur theilweis (vorn oder rücklings) heruntergeschlagen werden konnte(Fig. 106 c). Bei allendem spielte die „Sendelbinde“, als Umwindungund Behang, wesentlich mit (Fig. 108 a). Ihr Gebrauch währte unaus-gesetzt bis in den Beginn des folgenden Jahrhunderts, ja verlor sich über-haupt erst, nachdem man, wie eben zu dieser Zeit, fast durchgängig demflachen Barett vor allem anderen den Vorzug gab. — Um die Verschieden-heit dieser Formen, dabei auch noch immer die Gugelhaube als Schutz-