Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
244
JPEG-Download
 

244 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des IG. Jahrb.

meiniglich auch nur noch in der Eigenschaft eines Schutzkleides, mithinohne besonderen Aufwand, tlieils in den hergebrachten Formen, tlieils,als Neuerung, in Gestalt eines ringsum zu vielen Langfalten zusammen-genähten steifen Umhangs mit einem breiteren oder schmäleren ebenfallssteifen Ueberfallkragen. So doch zumeist nur die verheiratheten, ehrbarenFrauen des Bürgerstandes, seltner dagegen die Jungfrauen, denen der Mantel,zufolge einer Bemerkung des Erfurter Chronisten, nicht eher zuständigsein sollte „bis dass sie etwa Bräute würden.— Bei den vornehmenStänden indessen, wie hauptsächlich an den Höfen, blieb der altherkömm-liche Rückenmantel in zumeist reichster Ausstattung als Prachtgewandunausgesetzt in Geltung.

Fig. 11-i.

Mit der verzierenden Ausstattung durch Zaddeln, Schellen undSchnabelschuhe und deren allmiiligen Abnahme verhielt es sich imGrunde genommen ganz ähnlich wie bei der männlichen Tracht (S. 236).Vor allem gilt dies von dem Zaddelwerk, in dessen fortgesetzter Verwen-dung bis zu äusserster Uebertreibung vornämlich an den weiten Ermeln,an einzelnen Krägen und Kopftüchern auch die stutzerhaften Weiber nichthinter jenen zurückblieben. In dem Behängen mit Schellen dagegenhielten sie sich etwas mässiger. Zwar dehnten auch sie dies, mit Bei-behalt des so ausgestatteten Hüftgürtels, auf den Halsausschnitt des oberen