A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Weiher (1450—1500). 245
Gewapdes und selbst auch auf die Ermel aus (Fig. 114 a. b). Dochmachten sie in nur höchst seltenen Fällen und auch wohl dann nur beibesonderen maskaradenähnlichen Festlichkeiten, bei sogenannten ,Mummen-schanzen,“ von dem von den Männern auch sonst beliebten bandelier-artig getragenen, meist breiten Schellengürtel Gebrauch (vergl. Fig. 109).— Von den langgeschnabelten Schuhen trennten auch sie sich beiweitem am schwersten, ja sie sogar suchten auch noch nachdem dieMännerwelt längst begonnen hatte diese Schuhe gegen vorn breitsohligeSchuhe zu vertauschen, wenigstens (kurz-)zugespitzte Schuhe als ihnenzuständiger zu bewahren (Fig. 111 a—c; Fig. 112 c; Fig. 113 .1).'
Die Kopftrachten wurden ansehnlich vermehrt. Zu der bestehen-den Fülle von Formen traten allmälig sowohl die burgundisch-französi-schen seltsamen Aufsätze, die hohen kegelförmigen „hennins“ und dieso mannigfaltig geordneten breiten flügelartigen Behänge (vergl. S. 99 ff.),als auch noch mehrfach andere von zum Theil eigener Erfindung hinzu.Abgesehen von jenen fremden oft wunderlichen Gestaltungen, die manunverändert beliess oder doch höchstens nur im Einzelnen kaum auffälligumformte (Fig. 110; Fig. 113 c. d), waren cs und blieben es vor allemdie' zumeist selbst geschaffenen, welche dazu beitrugen die gerade in An-wendung dieses Putzes schon herrschende Willkür noch zu steigern.
Da gab es nun und zwar zunächst sehr verschiedene Kopfbunde.Sie sämmtlich wurden gemeiniglich aus bald längeren, bald kürzeren,weissen oder farbigen Tüchern von jedem dazu geeigneten Stoff beliebigum den Kopf gewunden und dazu häufig durch Randbesätze, Stickereienu. s. w. verziert. Je nach der Anordnung glichen sie theils ringsumge-schlossenen Haarsäcken von mannigfacher Ausdehnung, entweder nurknapp oder weiter gefalten (Fig. 111 c; Fig. 113 b), theils völlig turban-ähnlichen dichtgefältelten Aufsätzen von gleichfalls wechselndem Umfange(Fig. 111 a), theils aber auch nur einfachen breiten oder schmälerenRundwülsten von zumeist spiralförmiger Windung (Fig. 112 c). Dabeiliess man namentlich bei jenen umfangreicheren Bunden das Ende desStoffes, ganz nach Laune, willkürlich lang herabhängen, es so gelegentlichdann auch wohl entweder frei um den Hals ordnend oder, ähnlich einemKinnbande, ringsum die Wangen nach oben ziehend und hier mit demGanzen verknüpfend. Die Enden selbst pflegte man reich zu besetzenoder auch, wie die „Sendelbinden“ der Männer, Vielfach tief auszuzaddeln.Dasselbe geschah mehrentheils mit den einfacheren Kopftüchern, derenman sich gemeiniglich nur als faltiger Umhänge bediente, dabei mannun auch auf deren Anordnung hinsichtlich eines gefälligen Wechsels zu-nehmend besondere Sorgfalt legte. — Nächstdem brachte man mancherleiHauben und Netze in Anwendung: die Netze entweder selbständigoder als Ueberzug der Hauben, jedoch fast durchgängig aus kostbaren