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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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247
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A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Weiber (1450—1500). 247

nun mit der Mehrzahl derselben entweder gänzlich oder doch zum beiweit grösstem Theil zu verdecken (Fig. 110—112 a). Wo solches diese,wie die liundwülste, die Reifen u. s. w. nicht zuliessen, beschränkte mansich fast durchgängig darauf das Haar zu Langzöpfen zu verflechten unddiese theils frei herabhängen zu lassen (Fig. 112 c), tlicils rings um dieOhren, meist schneckenförmig, zu breiten Wülsten zu ordnen (Fig. 112 b;Fig. 114 b. c). Doch ward es auch üblich diese Wülste, ganz ähnlichwie es vorzugsweise in England seit lange gebräuchlich war (S. 99 ff),mit einer Art von Ziergehäuse oder mit einem Netzgeflecht von schmuck-voller Arbeit zu umgeben.

Handschuhe von Leder und von Seide in thunliehst reicher Aus-stattung durch Benähen und Stickerei, mitunter selbst durch Pelzbesatz,wurden auch beim weiblichen Geschlecht, ja in den begüterten undvornehmen Ständen zu unerlässlicher Anstandsbedingung. Zudem auchbewahrte es, wie die Männer, den althergebrachten Gebrauch von zierlichstgefertigten Gürteltäschchen, sie aber nunmehr, zu öfteren in Vereinmit dem Schlüsselbund, einem Nähbesteck und dem Rosenkränze, aneinem mit Silber beschlagenen Riemen oder Kettchen herabhängen las-send (Fig. 113 b; Fig. 112 c). —

In der Anwendung von Schmuck und allerlei Verschönerungsmittelnkannte man schliesslich noch kaum eine Grenze. Jener, bei immer kunst-vollerer und demgemäss immer kostbarerer Arbeit, wurde allmälig je nachdem Zweck nicht allein nur in Form von Armspangen, Ketten, Halsbän-dern, Fingerringen, Kopfreifen u. dergl. m. für den ganzen Körper in An-spruch genommen, sondern auch in Gestalt von Agraffen, Knöpfen, Be-sätzen und Beschlägen fast über die gesammte Kleidung in reichsterVerteilung ausgedehnt. Neben den bereits üblichen mancherlei Ver-scliönerungsmittein, den verschiedenen Arten von Schminken, Par-fümerien u. a. bediente man sich zu etwaiger Verdeckung von körperlichenMängeln nunmehr in stets weiterem Umfange sowohl dementsprechenderWattirungen, als auch, ausser noch sonst dahingehörigen geheimenHülfen, theils zur Umfärbung des Haars, eigener beitzender Essenzen,theils aber auch wirklich falsches Haar. — Dazu kam, um den Aufwandan sich bei beiden Geschlechtern noch zu vermehren, die durch den häu-figen Wechsel der Moden und deren Mannigfaltigkeit geförderte Mengeder Kleidungen und die damit zugleich wachsende Neigung für die kost-barsten Stoffe hinzu. Nur einfache Seidengewebe und Taffet oder blosfarbiges Wollentuch genügten jetzt selbst auch dem bürgerlichen reicherenStutzerthum nicht mehr. In dem fortgesetzten Bestreben es den Vor-nehmsten gleich zu thun, ja ungeachtet sich diese dadurch zum Theilsogar völlig ruinirten, suchte nun der ei tele Bürger eine Genugtuungdarin, wenn nicht sich selber, doch die Seinigen, ähnlich jenen, mit kost-