A. Tracht. Deutschi, u. Scandinar. Herrscherornat (1300—1500). 253
aus dem Ende des zwölften Jahrhunderts herrühren, hatte man zwar schonseit dieser Zeit immer einzelne dafür in Anspruch genommen, doch nichtohne sie nach Umständen theilweis, in eigenwilliger Wahl, entweder durchandere zu ersetzen oder mit solchen zu vermischen. So etwa bis zurZeit Ludwigs IV. (1314—1330) oder, was wohl noch sicherer erscheint,selbst noch bis nach dem Tod Siegesmund’s (1439), bevor man nun wirk-lich dazu schritt aus den inzwischen vermehrten Insignien einen für dieFortdauer durchaus bestimmten Ornat zusammenzustellen. 1 Erst beider Krönung Karls V., mithin erst um 1519, wird seiner ausdrücklichgedacht, was jedoch nicht gerade beweist, dass derselbe nicht auch schonvordem angewendet worden sei.
Zu diesen Insignien zählten nun mit Ausschluss von noch ander-weitigen, doch nicht mehr benutzten Einzeltheilen und mannigfachen einstebenfalls damit verknüpft gewesenen Reliquien, wesentlich die folgenden:
1. Strümpfe von karmoisinrother Seide mit Gold in Form vonLaubwerk bestickt, etwas bis über die Knie hin reichend, oben ringsummit arabischer Schrift.
2. Schuhe von ebenso gefärbtem Atlas, vorn abgerundet, in Per-lenstickerei mit Greifen und Sirenen verziert; über dem Fussgelenk zumZuschnüren.
3. Ein Untergewand von dunkelstem violettem Seidenzeug in Ge-stalt einer „dalmatica“ oder „tunica talaris.“ Dasselbe ist nur mit einemziemlich weiten Halsausschnitt versehen, sonst aber geschlossen, lang-ermelig, und erstreckt sich bis unter die Knie. An den Handöffnungender Ermel und rings um den unteren Saum ist es mit einer Einfassungvon Gold- und Perlenstickerei auf rother gemusterter Seide besetzt.
4. Ein Ob erkleid aus einem schweren, starken weissen Seidentaffetvon zwei und dreiviertel Ellen Länge, nach unten sehr weit, mit langenErmeln; ebenfalls längs den Rändern verziert: die Ermel schmückt längsden Handöffnungen und oben unterhalb der Achsel eine Borte in Gold-und Perlenstickerei; die Brust bedeckt ein dementsprechend reich .ausge-stattetes vierecktes Schild und den unteren Saum ringsum ein sehr be-trächtlich breiter Besatz von karmoisinrothem Seidenzeug mit eingesticktenGoldzierrathen, die jederseits von einem gleichfarbigen schmalen Rande
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der des H. R. Reichs freien Stadt Nürnberg aufbewahrt werden, in ihrer wirk-lichen Grösse. Nürnberg 1790; dazu das Prachtwerk in Farbendruck, welchesF. Bock im Aufträge der österreichischen Regierung unter dem Titel DieReichskleinodien des H. R. Reichs u. s. w. ,“ in zahlreichen Blättern grösstenFormats mit erklärendem Text herausgieht.
1 Vergl. zu den eben genannten Werken noch bes. B. J. Römer-Büch-ner - Die Wahl und Krönung der deutschen Kaiser in Frankfurt a Main MitAbbildungen. Frankf. a. M. 1858. S. 43 ff. '