Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
264
JPEG-Download
 

264 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

Weiber die an der Unehre sitzen“ sei nur beispielsweise erwähnt, 1 dassihnen eine Stadtordnung zu Berlin um 1486 befahl, zum Unterschied vonden ehrbaren Frauen, die Mäntel entweder auf den Köpfen oder ganzkurze Mäntel zu tragen. — Was endlich die Lustigmacher und Nar-ren im Allgemeinen anbetrifft, so eigneten sich diese nun vorzugsweiseseit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, nächst einer möglichst bunt-scheckigen Tracht, die weiten sackförmigen Hänge-Ermel, davon sie zu-meist nur einen trugen unterhalb mit Glöckchen verziert, die Schellen-kappe mit Hahnenkamm, Eselsohren u. dergl. und den Narrenkolben an(S. 236; S. 237).

Die Fortgestaltung der Bewaffnung 2 und der Rüststücke im Ein-zelnen ging fast durchaus den gleichen Gang wie in Frankreich und Eng-land (S. 152 ff.). Nur in einigen wenigen Punkten und auch in diesenwesentlich nur im Verlauf des vierzehnten Jahrhunderts wich sie imGanzen davon ab, doch ohne auch dadurch etwa ein geradezu eigen-thümlich deutsches Gepräge zu gewinnen. Zu eben diesen Punktenzählt einerseits, dass es sich mit der Uebertragung und der weiteren Ver-breitung der auch dafür vorzugsweise von Frankreich ausgehenden Wand-lungen ganz ähnlich wie bei der Kleidung verhielt, also dass auch jenein Deutschland stets erst zu näherer Kenntniss gelangten, nachdem siedort schon seit längerer Zeit verallgemeinert worden waren; andrerseitsaber insbesondere das Verhältniss der geistigen Richtung der französischen und englischen Ritterschaft zu der des deutschen Ritterthums. Die fran-zösischen Ritter zumal, als die Nachkommenschaft der Begründer deswahrhaft edelen Ritterthums, waren eingedenk seines Wesens in der Fort-übung der damit verbundenen Tugenden verblieben, und wenn auch spä-terhin durch die Kriege und sonstigen Vorkommnisse nach vielen Seitenhin entartet, doch in allen äusseren Bezügen von Feinheit und ritter-

1 S. mehreres darüber bei W. v. Keinöhl. Die gute alte Zeit u. s. w.Herausgeg. von J. Scheible. Stuttg. 1S47. S. 466 ff.

2 S. zu den oben (S. 152 u. 8. 197) angeführten Werken: J. G. Büsching.Ritterzeit und Kitterwesen. Leipzig 1823. J. Kottenkamp. Der Rittersaal,eine Geschichte des Ritterthums, seines Entstehens und Fortgangs u. s. w. Stuttg.1842. G. Klemm. Werkzeuge und Waffen. Leipzig 1854. P. A. Frenzei.DerFührer durch das historische Museum zu Dresden . Leipz. 1850. F. v.Leber.Wiens kaiserliches Zeughaus. Zum erstenmal aus historisch-kritischem Gesichts-punkte betrachtet. Leipzig 1846. K. von Sava. Bemerkungen über Waffen,Rüstung und Kleidung im Mittelalter u. s. w. in den „Quellen und Forschungender vaterländischen Literatur.“ Wien 1849. 8. 313 ff. E. von Sacken. Diek. k. Ambra8ersammlung. Wien 1855. 2 Thle.