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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Bewaffnung (1300—1500). 265

lichem Anstand die Träger der Ueberlieferung, so dass sie hierin vorallen Anderen den ersten Rang behaupteten. Nicht minder die englischeRitterschaft, die jene vielleicht in mancher Hinsicht äusserer Haltung nochübertraf, dagegen die deutsche Ritterschaft, bei ihrer seit Alters vorwie-genden Vereinzelung auf ihren befestigten Burgen, zu der ihr allerdingsurthümlich eigenen Schlichtheit und trotzigen Biederkeit, ja bis zu ihremgänzliche» Verfall mit nur seltenen Ausnahmen, in eigenwilliger Roheitverharrte. So aber im Ganzen wenig geneigt von ihren Gewohnheitenabzustehen, schritt sie auch noch um so viel langsamer zu eigent-lichen Neuerungen, dabei es ihr ausserdem überhaupt, eben ganz ihremWesen entsprechend, rücksichtlich der Bewaffnung immer weit mehrauf möglichsten Schutz, auf eine gediegene Festigkeit, denn auf Zier-lichkeit ankam. Auf dem letzteren Punkte hauptsächlich, auf den ge-rade die Franzosen und Engländer besonders Gewicht legten, beruhtemithin auch der vorläufige wesentliche Unterschied zwischen der deutschen und der französisch -englischen Bewaffnung, ein Unterschied der sich erstgegen den Schluss des vierzehnten Jahrhunderts völliger ausglich.

Gegenüber den Fortschritten, welche man in Frankreich und Englandin der zunehmenden Verwendung theils von hartledernen Besatzstücken,theils von metallenen Platten machte, blieb man in Deutschland nochfortdauernd in bei weit überwiegendem Maasse bei dem altherkömmlichenGebrauch von ganzen eisernen Ringelharnischen mit nur spärlicher Ver-stärkung stehen. Ein besonderer Umstand freilich wirkte wohl auch mitdarauf zurück, und zwar dass ein Bürger von Nürnberg, Rudolf, die Er-findung machte den Draht, anstatt wie bisher zu hämmern, völlig rundund gleichmässig in jeder beliebigen Stärke zu ziehen, dadurch nun,insofern sich auch bald, etwa seit 1350, immer mehr Gewerbtreibendedieser Kunst bemächtigten, derartige sonst so kostspielige Harnische bedeu-tend schneller und beträchtlich billiger beschafft wurden.

Diese Erfindung kam vor Allem den minder Begüterten zu Gute.Aber auch nicht allein bei diesen, vielmehr selbst bei den vornehmstenund den reichstbegüterten Rittern beschränkten sich vordem und nochspäter derartige Plattenverstärkungen vomämlicli nur auf bald schmälere,bald breitere Besatzstreifen hauptsächlich der Arme und der Beine mitnur gelegentlicher Anwendung von festen Knie- und Ellenbogenkapselnund von zumeist nur sparsam vertheilten kleineren und grösseren Rund-blechen. Doch zählte sogar auch noch solche Ausrüstung, war sie nurirgend sorgfältiger behandelt, vorläufig zu den Ausnahmen, da auchsie noch unter den Vornehmsten vorerst doch nur Einzelne in Gebrauchnahmen und auch zunächst wohl noch weniger für den kriegerischen Be-darf, als vorwiegend mit noch anderweitiger mehr oder minder reicherAusstattung des Waffenrocks, des Helms u. s. w. für das Erscheinen auf

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