272 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
tiger. Wenigstens gestattete man allmälig so viele Ausnahmen, dass da-durch eine Ueberwachung der nicht dazu Berechtigten überaus erschwertwerden musste. So, während man unter anderen in Ulm noch um 1446und fast zu gleicher Zeit in Augsburg , das Tragen von Schwertern undlangen Messern lediglich den Bathsherrcn und deren Dienern vorbehielt,erlaubte zu Ende des Jahrhundert der Rath zu Ulm die Anwendung vonMessern nächst jenen auch „den Richtern, dem Stadtamtmann und demStadtschreiber, dem Steuermeister, den Kammerknechten im Steuerhaus,den Knechten der Bürgermeister, bestallten Edelleuten und deren Knech-ten, reisigen Stadtknechten, Bettelknechten, Einigungsknechten, Fürsten-knechten, Grabmeistern, Kornmessern, Ballenbindern (während ihrer Be-schäftigung), Hofmeistern, Marstallern, Thorwarten, den Wagen- und denKarrenleuten und sogar den Frauenhauswirthen.“
Der amtliche Ornat der Geistlichkeit bewegte sich, wieüberall, so auch hier unausgesetzt in den dafür von der römischenKirche überhaupt angeordneten liturgischen Bestimmungen (S. 187). Soweit sich deren Herrschaft erstreckte, blieb jede etwa willkürliche Abwei-chung davon nicht nur streng untersagt, vielmehr wurde auch fast gleich-mässig wie jede selbstwillige Aenderung in der Ausübung des Dienstessofort kirchenrechtlich gahndet. Ebenso auch die Uebertretung und Ver-nachlässigung aller der einzelnen Verordnungen in Betreff der geist-lichen Orden und des ausseramtlichen Verhaltens der eigentlichenPriesterschaft, was allerdings auch die über Deutschland weitverzweigteGeistlichkeit, namentlich aber die niederen Ranges, so wenig wie die inFrankreich und England u. s. w. hinderte, gerade in dem letzteren Punkte,hauptsächlich in Anbetracht der Kleidung, gelegentlich ihren mehr welt-lichen Gelüsten volle Rechnung zu tragen. Sonst aber hielt man an dereinmal bestehenden kirchlichen Ordnung so lange im Allgemeinen fest,bis dass sie durch die immer mächtigeren reformatorischen Bewegungenim tiefsten Grunde erschüttert ward, danach sodann schliesslich in denLändern, wo diese zu siegreichem Abschluss gelangten, wie zuvörderstvor Allem in Deutschland , zugleich mit der sonstigen Umwandlung derinneren Verhältnisse der Kirche auch deren nun geistliche Vertreter demprunkenden Priesterornat entsagten. Doch fand dies erst in der erstenHälfte des nächstfolgenden Zeitraums statt.