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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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274 1- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des IC. Jalirh.

Ende des Jahrhunderts selbst Dante sich gedrungen gefühlt, in seinemGedicht darauf hinzudeuten und die Halsketten und Gürtel der Weibergeradezu die Furcht der Väter zu nennen. 1 — Bei Aufhebung jener Ver-ordnung wurde die darin festgestellte Jahresabgabe von fünfzig Liredurch eine neue Rathsverfügung in eine Geldstrafe umgewandelt, welchedie nächsten Anverwandten derjenigen erlegen sollten, die sich dergestaltschmücken würden, was aber gleichfalls so wirkungslps blieb, dass mannach Verlauf von elf Jahren auch diese Verfügung verschärfend erneute.

Dies Alles galt jedoch noch fast ausschliesslich dem steigenden Auf-wand in Schmuck als solchem, vorzüglich beim weiblichen Geschlecht.Ueberhaupt aber auch blieben es noch bis gegen Ende des Jahrhundertsinsbesondere nur die Weiber und auch hauptsächlich nur dieser Punkt,was, wie überall, so auch hier, die städtischen Behörden beschäftigte und,wenn gleichwohl auch vergeblich, zu immer strengeren Wiederholungenihrer Verbote hindrängte. Unter solchem nutzlosen Bemühen ward unteranderem in Florenz die dahin zielende Verordnung zwischen 1330 und1396 nicht weniger denn noch fünf mal verschärft, doch ohne dabei auchetwa schon die eigentliche Form der Gewänder wesentlich zu maass-regeln. In dieser Hinsicht bewegten 'sich wohl gerade die Weiber imAllgemeinen noch geraumere Zeit hindurch, wie die Männer, in der ein-mal althergebrachten kleidsamen Weise, sie überdies nur sehr langsamverlassend, obwohl jene sie auch kaum eher als gegen die Mitte desJahrhunderts in weiterem Umfange aufgaben. Die ersten Klagen darübererhob der Augenzeuge G. Villani, indem er im Hinblick auf solchenUmschwung — nach ihm in Folge des üppigen Beispiels GautMers, desHerzogs von Athen und seiner zahlreichen kriegerischen Begleiter — zumJahre 1342 nicht ohne tiefes Bedauern bemerkt, dass bis zu diesem Zeit-punkt die Männer noch durchgängig ganz nach Art der alten toga-bekleideten Römer schön und würdig erschienen wären, von da an aberdiese Tracht gegen fremden Aufwand vertauscht hätten.

Indessen ist wohl auch diese Klage keineswegs allzu streng zu neh-men. Wenigstens spricht die bei weitem grössere Anzahl gleichzeitigerVerbildlichungen völlig unzweideutig dafür, dass sich die Männer noch

1 Nach K. Streckfuss Uebersetzung (Paradies XV, 97 ff.) lautet die ganzedarauf bezügliche Stelle:

Florenz im alten Umkreis, eng und klein,Woher man jetzt noch Terzen hört und Nonen,War damals friedlich, nüchtern, keusch und rein.Nicht Kettchen hatt’ es damals noch, nichtKronen,

Nicht reichgeputzte Frau’n — kein Gürtelband,Das sehenswerther war, als die Personen.

Bei der Geburt des Tochterleins empfandKein Vater Furcht, weil man zur Mitgift immer

So wiezur Zeit, die rechten Maassc fand.

Ich sah vom schlichten Ledergurt umfangenBellincion Berti noch, und sah sein Weib

Vom Spiegel gehn mit ungeschminkten Wangen -

Ich sah ein unverbrämtes Wams am LeibDes Herli und des Vecchio — und den FrauenWar Spill’ und Rocken froher Zeitvertreib. u