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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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275
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A. Tracht. Italien . Kleidung der Männer (1300—1350). 275

fortdauernd, ja bis gegen Ende des Jahrhunderts, vorwiegend der alther-kömmlichen langen und weiten Bekleidung bedienten und dass dies beiihnen nicht nur etwa, wie in der Folge gemeiniglich, als amtliche Standes-bezeichnung, sondern, ohne Rücksicht darauf, in allen Kreisen statt hatte.Rur in der Färbung der Gewänder, in Wahl und Zusammenstellung derfärben, war man allerdings schon früh von der ursprünglichen Einfach-heit zu Gunsten einer nun mehrentheils selbst auffälligen Buntheit ab-gewichen. An Stelle des vordem von allen Ständen zumeist BeliebtenWeiss, Grau und Schwarz mit nur mässiger Benützung der noch ander-weitigen Töne, hatte man sich bereits um den Beginn des Jahrhundertsden vorherrschend leuchtenden Farben, wie insbesondere den mannigfachenAbstufungen von Roth, Gelb, Grün, Blau u. s. f. in steigendem Gradezugewendet, so dass es gleich schon zu dieser Zeit, wie unter anderemin Genua , sogar auch bei den unteren Ständen fast durchgängig ge-bräuchlich war mindestens an Festtagen rothe Gewänder mit citronen -gelbem Unterfutter zu tragen; zudem aber fortan überhaupt das untereund das obere Kleid, ingleichem das Beinkleid und den Mantel von scharfunterschiedlichen Farben zu wählen, in vielen Fällen dergestalt, dass sichdie Farben zu einander ziemlich scharf gegensätzlich verhielten: eine Artvon Uebertreibung, die man erst im späteren Verlauf der zweiten Hälftedes Jahrhunderts zu mehrerem Einklang herabstimmte.

Im Ganzen entsprachen bei den Männern die beiden Röcke,welche sie gemeiniglich übereinander trugen, in bei weit überwiegenderVerbreitung noch ganz den altrömischen Tuniken, von diesen fast einzigdarin verschieden, dass sie nicht weite Halsöffnungen hatten, sondern demHalse anschlossen und zuweilen mit einem kurzen hochstehenden Kragenversehen wurden. Sonst aber waren sie, durchaus wie jene, hemdförmigemässig weite Gewänder, die bis zur Mitte der Unterschenkel oder bis zuden Füssen reichten, welche man sowohl gürtete als auch ungegürtetbeliess; das untere stets mit langen und engen, das obere mit kürzerenund weiten (Halb-)Ermeln (Fig. 119 a). Lediglich an dieser Form, dochohne sie selber zu verdrängen, vollzogen sich auch alle die Wandlungen,die diese Gewänder zunächst erfuhren. Auch sie indessen waren vorerstnoch gering und betrafen vorläufig, ja im Grunde genommen sogar bisüber die Mitte des Jahrhunderts, eigentlich nur das obere Kleid; dasuntere blieb davon abhängig und wurde somit auch nur eben durchjenes, doch höchstens in seiner Länge bestimmt. Namentlich aber behieltman dafür die langen enganschliessenden Ermel bis tief ins folgendeJahrhundert bei, und gab sie auch selbst dann noch nicht durchweg auf,a ls für sie, wie um diese Zeit, mit in Folge fremder Einflüsse verschie-dene Gestaltungen aufkamen. • '

Die nächsten Umwandlungen des oberen Rocks beschränkten sich