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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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278
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278 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

hier entweder zusammen ein Ganzes bildend oder je für sich bestehendund zumeist den Fuss mitumgebend, wurden unter dem unteren Rocktheils an diesem vermittelst Nesteln, theils auch, unabhängig davon, umdie Hüfte mit einem Gurt oder mit Zugschnüren befestigt und, umschlossensie auch den Fuss, zum Ersatz einer Fussbekleidung, unter der Sohledurch Leder verstärkt. Die niederen Stände Hessen die Beine entwedergänzlich unbedeckt oder begnügten sich mit Socken, die höchstens biszu den Knien reichten oder auch lediglich damit, diesen Theil mit irgendeinem derben Stoffe zu umwinden und ihn gemeiniglich unter den Knienmit einem Bande zusammen zu fassen. — Eine besondere Art von Hosen(„calza“), die man aber vorzüglich nur zum Reiten anwendete, bestandaus einem dafür eigens zugerichteten Kalbsleder, „becus“ oder „bazan“genannt. Auch sie, deren um das Jahr 1361 Erwähnung geschieht,schlossen den Beinen durchaus fest an.

Die Fussbekleidung, welche man wie' auch schon seither nebenjenen an den Füsslingen befestigten Sohlen auch fernerhin vielfach be-nutzte, bewahrte noch längere Zeit hindurch ihre seitherige Einfachheit.Auch hierbei nur abgesehen von der Färbung, darin man freilich wohlwie bei der Kleidung schon früh zu mehrerer Buntheit hinneigte, bliebsie noch bis weit über die Mitte des Jahrhunderts hinaus fast ausschliess-lich theils auf nur mässig hohe Schuhe, theils aber sogar auf nur derbeSohlen mit daran seitwärts angebrachten ziemlich knappen Laschen be-schränkt; letztere dazu bestimmt, die Sohle thunlichst vorn über denSpann sandalenartig festzuknüpfen. Jene Hohlschuhe wurden mitunteroberwärts mehr oder minder weit aufgeschlitzt und dann theils zum

Knöpfen, theils zum Verschnüren eingerichtet. Stiefel oder auch nur

demähnliche höhere Fussbekleidungen zählten vorerst noch, auch selbstbei Reitern, zu den seltenen Ausnahmen. Zu dem Allen wurde das

Schuhwerk überhaupt vorn noch fast durchweg rundlich, kaum auch nur

mässig spitz beliebt. Es aber schon langschnabelig zu gestatten, wider-sprach dem feineren Geschmack. Noch bis in den späteren Verlauf derzweiten Hälfte des Jahrhunderts hielt man sich hiervon im Ganzen frei,und auch noch dann überliess man dies, nach ausheimischem Vorgänge,fast lediglich dem Stutzerthum.

So auch erfuhren die Kopfbedeckungen zunächst noch kaum eineUmwandlung oder gar etwa schon eine Vermehrung durch wirklich neueGestaltungen (vergl. Fig. 119 a b). Mindestens bis gegen die Mitte desJahrhunderts bestanden sie aus den einmal üblichen Formen von eng'anliegenden Rundkappen mit und ohne Wangenlaschen, von einfachen,zumeist niedrigen gesteiften und ungesteiften Mützen, turbanartigenKopfbünden, zum Theil mit herabfallender Stofl’masse, und aus baldengeren, bald weiteren Kapuzen; dies Alles zuweilen mit Pelz gefüttert