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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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282 I* Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des IG. Jahrli.

hinzu. Man beschränkte sich darauf, beim Rückemnantel gelegentlichdie vordere Oeffnung einerseits, zu tiefer herabgehendem Verschluss, mitmehreren Knöpfen zu besetzen, andrerseits nach den Schultern hin nichtunbeträchtlich zu erweitern, so dass dadurch die untere. Bekleidung umso viel breiter sichtbar ward. Noch ausserdem pilegte man ihn auchwohl gleichsam rockähnlich zu verengern, dergestalt, dass ein damit Be-kleideter geradezu den Anschein gewann, als trüge er (anstatt eines Man-tels) einen dritten eigentlichen Rock, was, da man gewöhnlich jedesGewand von besonderer Farbe beliebte, die auch sonst schon vorwiegendeBuntheit noch bedeutend steigerte. Dabei nahm die Hinneigung geradediese Gewandungen mit kostbarem Pelzwerk auszustatten, zu unterfüttemund zu verbrämen, in noch höherem Maasse zu, dadurch denn sie ins-besondere neben ihrer ursprünglichen Eigenschaft als Schutzkleider, zu-nehmend häufiger das Gepräge wirklicher Prachtgewänder erhielten.

Die Beinbekleidung wurde zwar im Ganzen ebenfalls nicht ver-ändert, doch erfuhr sie im Einzelnen, obwohl auch erst gegen den Schlussdes Jahrhunderts vom Stutzerthum eine Umwandlung. Ohne ihre einmalgewohnte durchgängige Gespanntheit aufzugeben, begannen nun die Stutzersie ziemlich kurz unterhalb des Knies zu theilen oder, wohl richtiger,mit Beibehalt der üblichen ganzen Beinlinge, völligst enganschliessendeUeberziehhosen anzuwenden, die sich bis über die Knie hin erstreckten.Sie selber wurden gemeiniglich am unteren Rande ausgezackt und vonentschieden anderer Färbung als die Unterbeinkleider getragen.

Von den Fussbekleidungen wurden neben den altertümlichensandalenartigen Knüpfsohlen die Halbschuhe, als auch die Stiefel oderdoch demähnliche höhere aufgesteifte Socken, letztere hauptsächlich zumZweck der Reise, zunehmend gebräuchlicher. Sonst aber beschränktensich auch hier die wesentlichen Neuerungen auf eine tlieilweis reichereAusstattung durch Buntstickerei und vermehrten Besatz mit kleinen, oftzierlich gestalteten Knöpfchen und, wie schon vorweg bemerkt, doch erstgegen den Schluss des Jahrhunderts, auf die zunächst auch nur verein-zelte Nachahmung französischen Brauchs die Spitzen langschnabeligzu gestalten und durch dementsprechende Unterschuhe zu stützen(S. 69; vergl. S. 93).

Mit den Kopfbedeckungen nahm man nur wenige Veränderungenvor. Auch betrafen sie fast ausschliesslich die weiteren ungesteiftenKappen und die eigentlichen Kopfbunde. Jene wurden mehrentheils nochumfangreicher hergestellt, so dass sie nicht selten einem Sack glichen,und entweder ganz so belassen oder auch mit einem Rande gemeiniglichvon Pelzwerk verbrämt, zuweilen auch mit eigenen Wangenlaschen aus-gestattet (Fig. 120 c; Fig. 121 aj; die Bunde aber nun häufiger, durch■\ ermehrung der Stoffmasse, zu hohen förmlichen Turbanen von breitester