284 I. Das Kostüm vom Beginti des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
werk gefuttert und altsgeschlagen. Die Kapuze langgezipfelt oder, stattihrer, eine Mütze mit spitz vorgezogener Krempe, auch wohl mit einemSchildchen verziert. Halsketten von vergoldetem Silber, Perlen, Korallenund Fingerringe. Das Haar massig lang, der Bart geschoren oder einrundlicher Backenbart.
Schliesslich, um eben diese Zeit, kamen zu dem Allen noch dieThorheit der farbigen Halbtheilung, des sogenannten „mi-parti,“ und ineinzelnen Hauptstädten, wie namentlich in Florenz, Bologna, Mailand ,Genua u. a., hauptsächlich bei der vornehmen Jugend in eigenwilligerBethätigung, noch manche seltsamere Besonderheiten, die aber, vorerstnur schüchtern auftretend, nicht vor dem Beginn des folgenden Jahr-hunderts zu weitergreifender Geltung gelangten (s. unten). —
Auch bei der weiblichen Bekleidung war es zunächst nur derobere Kock, daran sich eine Abwandlung von der altrömischen Formvollzog. Wie bei den Männern die „tunica“ so war’s bei den Weiberndie schleppende „stola“ von der diese Wandlungen ausgingen, und auchverhältnissmässig erst spät und ohne deren Form überhaupt etwa gänz-lich zu beseitigen. Ja auch noch nachdem man daneben bereits zu an-deren Gestaltungen vorgeschritten, behielt man sie ohne Veränderung beioder beschränkte sich doch nur darauf sie, wie die Männer die Tunica,um den Oberkörper zu verengern und ihren sonst weiten Halsausschnittden Schultern passlicher anzuschmiegen. So aber trug man sie nachaltem Brauche mit nur mässig weiten Halbermeln und gewöhnlich unge-giirtet (Fig. 122 a) selbst noch bis tief ins nächste Jahrhundert. — Deruntere Kock, der altrömischen „tunica interior“ entsprechend, bewahrteseine Eigenschaft als blosses Unterziehkleid so lange, bis dass man be-gann das obere Gewand gelegentlich zu kürzen und aufzuschlitzen, da-durch jener sichtbar ward, was jedoch kaum vor der Mitte des Jahrhun-derts statt hatte; die ihm seit Alters eigenen langen enganschliessendenErmel blieben dafür, wie die gleichen Ermel an dem Untergewande derMänner, mit nur geringen Veränderungen fast ununterbrochen in Gebrauch.
Was nun die Wandelungen selber betrifft, welche zuvörderst derobere Rock etwa bis gegen das letzte Drittel des Jahrhunderts durch-machte, so äusserten sich diese, ausser in der erwähnten Aufschlitzungund Kürzung, und abgesehen von der Gestaltung der Ermel, hauptsächlichnur darin, dass man ihn dem Oberkörper fester anpasste und am Halstheils tiefer ausschnitt, theils aber auch hoch hinaufrückte und in diesemFalle häufiger mit einem kurzen Stehkragen versah. Die Kürzung undAufschlitzung indessen gehörten auch noch bis zu dieser Zeit zu denselteneren Ausnahmen (Fig. 123 a. b). Und wo man die Aufschlitzunganbrachte, welches vorn entweder durchaus der ganzen Länge nach odernur von der Hüfte herab geschah, pflegte man sie längs ihren Rändern