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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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288
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288 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

Beim Haar fuhr man fort, es thcils ganz zu verdecken, tlieils inseiner natürlichen Fülle, oder gekürzt, völlig frei zu tragen (Fig. 722 b:Fig. 123 c. d). Daneben ward es dann vorzugsweise unter der Jugendüblicher es, doch gewöhnlich nur unterhalb (etwa zur Hälfte) zu ver-flechten und die so zumeist breit beliebten Zöpfe bald längs den Wangennach oben hin, gerade über der Mitte der Stirn mit einander zu verbin-den, bald auf dem Scheitel schneckenförmig zu einer Wulst zusammenzu legen (Fig. 122 a; Fig. 123 a. b). Hiebei hauptsächlich pflegte manes mit jenem Schnurwerk durch Einflechten noch besonders zu verzieren.

„ Die Fussbekleidung ward, wie es scheint, bei weitem am wenig-sten verändert. Die einmal üblichen Halbschuhe mit nur mässiger Zu-spitzung behielt man dauernd in Gebrauch, sie nunmehr höchstens imhäuslichen Verkehr mitunter durch noch leichtere pantoffelartige Halb-schuhe ersetzend. Nur in der Ausstattung ging man weiter, indem mansowohl jene als diese von auffälligerer Färbung (weiss, gelb, roth, blauu. s. w.) und reicherer Verzierung durch Besatz von Stickerei, Schnurwerkund Knöpfchen herstellte.

Mit der Verwendung von Handschuhen verhielt es sich ganz sowie bei den Männern (S. 279). In Ansehung des Schmucks indessenblieben die Weiber ferner bemüht, sich ausnehmend hervorzuthun. InFolge dessen sahen sich einzelne Behörden sogar gedrängt, dieser dochnicht zu hemmenden Neigung allmälig Melireres nachzugeben und, ge-genüber den Verboten von Perlen und allzu kostbarem Besatz in Gold-und Silberstickerei, mindestens zwei Fingerringe, Gürtel mit zwölf sil-bernen Spangen und anderes der Art zu gestatten. Als aber ihnen aus-schliesslich eigen wandten sie die ihnen bereits seit lange bekanntenVerschönerungsmittel, so insonderheit die Schminken, nicht alleinwie seither an, vielmehr bedienten sich ihrer alsbald, zum Aergerniss derGeistlichkeit, bis zur Uebertreibung hin. Den Florentinerinnen vorzüglichwurde schon frühzeitig nachgerühmt, dass sie in der „Gesichtsmalerei“die grösste Meisterschaft besässen. —

In solcher Gestalt verblieb die Tracht bis weit über die Mitte desJahrhunderts. Nicht eher als bis die Umwandlungen an der männlichenBekleidung schon mehrere Geltung erlangt hatten, schritten die Weiberzu Neuerungen vor, ja auch dabei noch längere Zeit an dem Bestehendenfesthaltend, indem sie jene erst lediglich damit zu vereinigen suchten.Zudem auch betraf dies keineswegs das einmal Uebliehe durchweg, son-dern zuvörderst nur zum Theil. Erst ziemlich kurz vor dem Schluss desJahrhunderts drangen die Neuerungen völliger durch, vermochten jedochauch selbst da noch nicht jenes gänzlich zu verdrängen.

Was den oberen Rock („Zimarra“) betrifft, so blieb man einst-weilen dabei stehen, ihn in seinem oberen Theil, bis zu den Hüften hin,