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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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290 E Das Kostüm vom Beginn des 14 . bis zum Beginn des 16 . Jabrh.

Erde reichen. Sie sind nahe den Schultern sehr weit und endigen ineiner Spitze ganz ähnlich den catalonischen Schilden, welche in der Höhebreit und gegen die Tiefe hin schmal und spitz werden. Zu öfteren sinddiese Gewänder mit drei und auch fünf Unzen Perlen besetzt oder sieschmückt rings um den Hals, an den äussersten Enden der Ermel undrings um den untersten Rand eine breite kostbare Bordüre. Umfasst wer-den sie von schönen Gürteln, zumeist mit Gold und Perlen verziert.“

So bei den Vornehmen von Piacenza , darauf sich die Bemerkungbezieht. Doch wird sich solches wohl sicher nicht einzig auf dort be-schränkt haben, vielmehr in den reicheren Städten in Oberitalien über-haupt vorherrschend üblich gewesen sein, obschon es auch nicht an ört-lichen Besonderheiten gefehlt haben mag. Zu diesen zählten, wie esscheint, zwei eigene Formen von Oberkleidern, die gleichfalls erst imspäteren Verlauf der zweiten Hälfte des Jahrhunderts — vermuthlich dieeine zuerst in Florenz, die andere in Siena — aufkamen. Jene bestandin einem Schleppkleide, das an der linken und rechten Seite bis zu denSchultern offen war und jederseits durch mehrere übereinander angebrachteKnöpfchen geschlossen werden konnte; diese in einer Art von Tunika,welche, oberhalb enganliegend, nur bis zu den Knien reichte, am unterenRande mit einem breiten sich einfach kreuzenden Netzwerke von farbigenSchnüren ausgestattet, das ringsum in Quasten endete. Beide Gewänderwurden gegürtet; das erstere entweder vollständig oder nur dessen vor-derer Theil, das letztere gemeiniglich doppelt und über dem zweiten (un-teren) Gürtel zu einem mehr oder minder breiten faltigen Bausch herab-gezogen.

Von welcher Form und Beschaffenheit das Obergewand auch seinmochte, beliebte man es durch Pelz zu bereichern, es damit sowohl aus-zufüttern als auch längs den Enden der Ermel und des unteren Randszu verbrämen, dazu die höheren Stände mehrfach Hermelin u. dergbwählten.

Der untere Rock blieb abhängig von der Gestaltung des oberenund wurde somit auch nur in Fällen, wo er zur Erscheinung kam, nochreicher behandelt. Seine Ermel beliess man im Ganzen, wie seither, langund enganschliessend. Nur selten und auch erst in späterer Zeit wichman davon insofern ab, als man sie nun auch wohl hinterwärts mehrfachübereinander aufschlitzte und zum Zuknöpfen einrichtete oder nach obenhin allmälig etwas aufbauschte.

Der Mantel bewahrte seine Form. In der Ausstattung jedoch wurdeauch er zunehmend bereichert. „Die Matronen“ — so fährt JohannisMusa in seiner Schilderung fort — „tragen ihn weit, bis zur Erde rei-chend, rund um die Füsse und vorn durchaus offen. Er ist zum "Ver-schliessen mit Knöpfchen von Gold oder mit Agraffen versehen, die ein