Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
291
JPEG-Download
 

A. Tracht. Italien . Kleidung der Weiber (1350—1400). 291

Besatz von l'evlen schmückt. Jede Dame besitzt gewöhnlich drei Mäntel,die nach der Jahreszeit von verschiedenen Seidenstoffen und mit Pelz werkgefüttert sind: einen blauen, einen rothen und einen leichteren buntfar-bigen, sämmtlich mit goldenen Borten verziert. AVer von ihnen keineKapuze trägt, bedeckt den Kopf mit einem Schleier von Seide oder Baum-wolle. — Die Wittwen tragen im Allgemeinen ähnliche Gewänder, aberschwarz, ohne Perlen und ohne Gold. So auch eine schwarze Kapuzeoder einen weissen Schleier von Linnen oder Baumwolle.“

Nächst diesen Kopfbedeckungen, dazu jener Berichterstatter nochkleiner reich ausgestatteter Kappen, mit Gold und Perlen besetzt, er-wähnt, waren bereits vor dieser Zeit, zum Theil schon in den sechszigeiJahren, einzelne Formen üblich geworden, die überdies alles Bisherigeder Art an Absonderlichkeit iibertrafen. Es waren dies theils radförmige,den Kopf weit überragende, zumeist nur flach aufgepolsterte Wülste, theilsrunde aufgesteifte Hüte von unterschiedlicher Erhebung, entweder nureinfach walzenförmig, unterhalb mit einem breiten turbanähnliclien Bundumwunden, oder nach oben hin ausgebaucht und inmitten mehi odeiminder halbmondförmig eingesenkt, so dass sie zur Rechten und zui Lin-ken gleich Schiffsschnäbeln emporragten. Sowohl die Wülste, als dieseHüte wurden in Stoff und Ausstattung thunlichst kostbar hergestellt, vonfarbiger Seide oder Sammet mit Besatz von Bortenwerk; die Wülsteausserdem nicht selten mit reichem Netzgeflecht überzogen und die Iliitegemeiniglich noch besonders durch Anheftung eines farbigen befranztenTuchs oder eines feinstofligen Schleiers in Weiterem vermannigfacht. ImUebrigen behielt man die seither gebräuchlichen Formen dauernd bei, siehöchstens im Einzelnen, so namentlich die eigentlichen Kopfbunde, inStoff und Anordnung noch zierlicher und wechselvoller durchbildend.

Die Haartracht blieb die einmal gewohnte, nur dass die Anwen-dung von Zöpfen, doch auch in der hergebrachten Art, immer allgemeinerward. Die Jugend allerdings pflegte auch ferner das Haar aufgelöst, freizu tragen; doch sollte nunmehr auch ihr dies nur bis zur Verheirathunggestattet sein. — In der Art es zu schmücken jedoch, ging man nochum ein Beträchtliches weiter, indem man die dazu bestimmten Schnürevon Perlen,. Steinen u. dergl. immer kostbarer beschaffen Hess. Auchwaren es hierbei wiederum, zufolge des Johannis Musa, vor allem dieDamen von Piacenza , die damit den grössten Aufwand trieben und„das Haar mit mancherlei gewundenen Gold- und Silberblättchen, kost-baren Perlen und Edelsteinen in Werth von siebenzig bis hundert Du-katen, mit Perlenschnüren nicht selten in Werth von hundertundfünfund-zwanzig Dukaten, mit goldenen und seidenen Bändern u. s. f. geradezuüberluden.“

Ob auch die Fussbekleidungen eine noch weitere Durchbildung

»