292 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
erfuhren, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Zu vermuthen stehtindessen, dass man auch sie noch im Einzelnen durch Zierrathen zu be-reichern suchte, da es eben vor allem anderen die schmückende Aus-stattung überhaupt war, worauf man, in steter Steigerung derselben, seinHauptaugenmerk richtete.
Sieht man von den einzelnen unterschiedlichen Formen ab, darin dieBekleidung wechselte, so bildete sie um den Schluss des Jahrhundertsbei den vornehmen Frauen und Jungfrauen ein Unterkleid mit engenErmeln nebst langem und weitem Ueberrock, vorwiegend von scharlachnerFarbe, je nach Vermögen von feiner Wolle, von Seide, Sammet oderGoldstoff, deren eines mit fünfundzwanzig bis dreissig Dukaten bezahltwurde. Die zumeist weiten und langen Ermel, gewöhnlich unten auf-geschlitzt, waren bestickt und mit Perlen besetzt. Den Ilals umgab einefeinstoffige oder goldene Krause („frisia“). Den Leibgurte], von vergol-detem Silber, schmückte ein Besatz mit Perlen, Die Finger zierten gol-dene Hinge und den Arm gemeiniglich eine Paternosterschnur von rothenKorallen oder Bernstein . Das Haar, falls man es entblösst trug, war inreichster Weise durchflochten: den Kopf bedeckte ein weisser Schleiervon Seide oder von feinster Wolle. — Jüngere trugen das Obergewandin Gestalt einer „Cypriane“ (S. 289): auf der Brust tief und weit aus-geschnitten, fast durchgängig ohne Halskrause. Aeltere trugen es ge-schlossen und, statt des jugendlichen Ilaarschmucks, mit golddurchwirktemSpitzenwerk und Perlen verzierte Kopfhauben. Ihr Mantel, je nach derJahreszeit von unterschiedlicher Ausstattung, war beträchtlich weit undlang; der der Jüngeren dahingegen zumeist minder faltenreich und kurz*—■
Seit dem Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts gewann das Trach-tenwesen vornämlich beim männlichen Geschlecht eine andere Gestalt.Die mannigfachen Absonderlichkeiten, dazu man bereits hinneigte, fandennun sehr bald allgemeinere Verbreitung und wirkten so auf den Geschmacküberhaupt zurück, ihn im Ganzen von den herkömmlichen einfacherenFormen mehr und mehr entfernend. Bisher hatte man sich noch zumeistinnerhalb deren Grenzen gehalten, fortan jedoch, wesentlich mit begün-stigt durch äussere Verhältnisse, wie durch die allmälig wiederum nähereVerbindung mit Deutschland und die dann später erfolgenden ly iegerischenBezüge zu Frankreich , überschritt man diese Grenzen ziemlich rasch zuGunsten des Fremden, das man nun immer begieriger aufnahm und, da-durch zu mehrerem Wechsel geneigt, zum Theil in eigener Bethätigungnoch mannigfacher gestaltete. Das einmal Uebliche gab man zwar auchfernerhin noch nicht gänzlich auf, doch ward auch dies theilsweis davonberührt, indem man es im Einzelnen gleichfalls einer Aenderung unter-warf. Ueberhaupt aber kamen nun zu den bestehenden Kleidungen, ganzabgesehen von den Wandelungen, welche diese an sich erfuhren, davon